Kampf um die Pille

Im Mai wählen die Filipinos ein neues Parlament. Im Wahlkampf ­mobilisiert die Kirche gegen die Regierung, die Ende 2012 ein Verhütungsgesetz verabschiedete. Das Programm, sagen die ­Bischöfe, verstoße gegen die katholische Glaubenslehre

Carsten Stormer/Zeitenspiegel

Auf der Entbindungsstation des Dr. Jose Fabella Memorial Hospital in Manila drehen die Ventilatoren auf Hochtouren. 152 Mütter und ihre Babys liegen in dem turnhallengroßen Saal, oft teilen sich zwei Frauen und zwei Neugeborene ein Bett, kaum ein Säugling schreit. Die Fabella-Klinik ist die größte Entbindungsstation Südostasiens.

Die „Gebärfabrik der Philippinen“ wird sie genannt, rund 60 Kinder kommen hier pro Tag zur Welt, in Boomzeiten sind es um die hundert, 95 Prozent der Patienten sind arm. Die schwarzen Haare kleben feucht an den Säuglingsköpfen, erschöpft liegen die Mütter daneben. Maximal 24 Stunden dürfen sie nach der Entbindung in der Klinik bleiben. Dann heißt es zurück zu den übrigen Kindern, zurück in den Slum. Draußen am Eingang warten bereits die nächsten Schwangeren.

Rund 96 Millionen Menschen wohnen auf den Philippinen, der Inselstaat zählt zu den bevölkerungsreichsten Ländern Süd­ostasiens, die Bevölkerung wächst jährlich um mehr als zwei Prozent. Ein Fünftel der Bewohner lebt in Armut mit etwa einem Dollar pro Tag zum Überleben, viele davon in Slums, auf Müllkippen und Friedhöfen. Bisher hing die philippinische Bevölkerungspolitik am Tropf ausländischer Sponsoren. 2008 stellte der größte Geldgeber für Verhütungsmittel, die USA, seine Hilfe ein.

Ursache der Armut, sagt die Regierung, sei mangelnde Familienplanung

Im Bevölkerungszuwachs sieht die philippinische Regierung die Hauptursache für die Armut im Land. Mit dem neuen Gesetz will sie Familienplanung allen zugänglich machen. Das sei ein Menschenrecht, kein Privileg der Reichen. Vorge­sehen: kostenlose Verhütungsmittel für Arme, Programme zur Familienplanung, Aufklärungsunterricht an öffentlichen Schulen.

Die Slumgebiete von Tondo, einem Bezirk in Manila, gehören zu den größten weltweit.
Die Pille für die Armen? Rund 80 Prozent der Filipinos sind katholisch. Und die katholische Bischofskonferenz, das Zentralorgan der Kirche auf den Philippinen, lehnt das Gesetz vehement ab – es verstoße gegen fundamentale Grundsätze der Glaubenslehre.

Die künstlichen Verhütungsmittel sind der zentrale Konfliktpunkt. „Die Regierung“, schreiben die Bischöfe in einer Stellungnahme, „behandelt Schwangerschaft wie eine Krankheit.“ Nach katholischer Lehre sei jede Schwangerschaft ein Geschenk Gottes. Zudem würden Pille und Kondome einen hedonistischen, promisken Lebensstil propagieren und damit Ehe- und Familienleben zerstören. Ihr Gegenvorschlag: „Lasst uns natürliche Familienplanung lehren!“ Laut Umfragen ist die Mehrheit der philippinischen Bevölkerung in dieser Frage gegen die römisch-katholische Position und für das Regierungsprogramm.
 

Information

Parlamentswahlen auf den Philippinen

Am 13. Mai wählen die Bürger der Philippinen neue Parlamentarier. Es sind Zwischenwahlen - zur Hälfte der Amtszeit von Präsident Benigno Aquino.

Gewählt werden 12 Senatoren, 229 Direktabgeordnete, 80 Provinzialgouverneure und -stellvertreter, Provinzabgeordnete, Bürgermeister und Stadträte. Im Ganzen geht es um 18.022 nationale und regionale Ämter.

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