Wer darf am Abendmahl teilnehmen? Ab jetzt mit neuem Podcast

Paulus war da streng: Unzüchtige und Geizige, Lästerer und Trunkenbolde – mit solchen Leuten soll man nicht essen, schrieb er den Korinthern

Eigentlich dürfte der Priester dieser Frau die geweihte Hostie nicht reichen. Sie ist Gemeinderätin, Kommunionshelferin, Lektorin, Firmmutter. Doch ihr Mann will keine kirchliche Hochzeit. Und damit – so sagt dieser Priester aus der Erzdiözese Freiburg – dürfe sie eigentlich nicht zur Kommunion zugelassen werden. Nach den Richtlinien der vatikanischen Glaubenskongregation lebt sie in einer ungültigen Ehe und somit im Widerspruch zum Gesetz Christi.

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Wenn man sagt: "Kommt" - dann spricht man alle an! Henning Kiene im ersten Teil seines monatliches Diskurses zu der aktuellen Frage von Religion für Einsteiger.

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Das Abendmahl in der Ökumene? "Es könnte die Katholiken mit den Protestanten verbinden." Zweiter Teil des chrismon-Gespräch mit Henning Kiene.

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Ebenso müsste der Priester auch den Mann ausschließen, der früher lange Mi-nistrant war und der – neben seiner Arbeit im Schichtdienst – regelmäßig Pfarrgemeindemitglieder im Altersheim besucht. Sein angebliches Vergehen: Er hat die geschiedene Mutter zweier erwachsener Töchter geheiratet. Er hatte sie lange nach ihrer Scheidung kennengelernt. Doch nach der offiziellen Lehre der römisch-­­ka­tho­lischen Kirche ist die Ehe generell unauflöslich, auch die erste Ehe dieser Frau.

Ausschluss als Mittel der Kirchenzucht

Warum er diese beiden vom AbendmahlDas Abendmahl vergegenwärtigt das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Beim Abendmahl bekomme man eine Vorstellung von der künftigen Mahlgemeinschaft im Reich Gottes, glauben Christen. Nach Matthäus 26,29 spricht Jesus von dem Tag, „an dem ich von neuem vom Gewächs des Weinstocks mit euch in meines Vaters Reich trinken werde“. Katholiken und Protestanten erkennen das Abendmahl als Sakrament an, als sichtbares Zeichen von Gottes unsichtbarem Handeln. Dennoch trennt der Streit um das Abendmahl die Konfessionen. Wie sind etwa Jesu Worte „Das ist mein Leib... und Blut“ zu verstehen? Verwandeln sich Brot und Wein in Christi Leib und Blut? Das ist die katholische Vorstellung. Früher herrschte auch innerhalb der Protestanten darüber Uneinigkeit. Reformierte Protestanten verstanden die Gleichsetzung symbolisch, Lutheraner bestanden auf einer wörtlichen Auslegung. Seit der „Leuenberger Konkordie“ von 1973 halten beide die früheren gegenseitigen Verwerfungen für überwunden: Damit leibliche Gegenwart entstehe, bedürfe es keiner Wandlung der Elemente. Sie bedeute vielmehr, dass Christus in der Mahlgemeinschaft geheimnisvoll gegenwärtig sei. ausschließen müsse, verstehe kein Mensch, sagt der Priester: „Das wird ja nicht gefordert, weil die Leute etwa mit der Kirche nichts zu tun hätten und liederlich leben würden.“ Deswegen lässt er in seiner Pfarrgemeinde auch jene zur Eucharistie­feier zu, von denen er weiß, dass ihre Ehe nicht den Vorgaben seiner Kirche entspricht. Mit anderen Priestern und Diakonen der Erzdiözese Freiburg fordert er öffentlich: Geschiedene und Wiederverheiratete dürfen vom Empfang der Sakramente nicht ausgeschlossen werden.

Das Problem, das derzeit in der Freiburger Erzdiözese Priester, Diakone und Lektoren zum Widerspruch reizt, ist kein rein katholisches. In evangelischen Kirchen galt zumindest in früheren Zeiten der Ausschluss vom Abendmahl als Mittel der Kirchenzucht. Im 16. und 17. Jahrhundert maßregelte man prügelnde Ehemänner, Säufer und Betrüger, indem man sie vor­ü­bergehend aus der Gemeinschaft der örtlichen Christenheit ausschloss. Seit langer Zeit schon werden solche Strafen kaum mehr verhängt.

"Mit so einem sollt ihr nicht essen"

Doch die Frage bleibt: Dürfen Pfarrer und Kirchgemeinderäte einzelne Mit­glieder vom Abendmahl ausschließen? Der Apostel PaulusSo wurde Saulus zum Paulus: Eine Wegstunde von Damaskus entfernt, ungefähr um das Jahr 40 nach Christi Geburt, geschah etwas für den weiteren Weg des Christentums Folgenreiches: Der Pharisäer Saulus, ein frommer Jude, im Land unterwegs zur Eindämmung der entstehenden jungen christlichen Gemeinden, erlebte seine persönliche Bekehrung zum Glauben an Jesus Christus. Er hatte eine Lichtvision und hörte die Stimme Jesu sagen: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Saul war drei Tage blind, doch dann erkannte er: In Jesus Christus liegt alles Heil. So konsequent, wie er zuvor die Gemeinden Christi verfolgt hatte, engagierte er sich fortan für sie, er wirkte als Missionar. Saulus war zum Paulus geworden. Das 9. Kapitel der Apostelgeschichte berichtet von dieser entscheidenden Weichenstellung für das Christentum. Mit Paulus betrat einer der ersten und profiliertesten Theologen des Urchristentums die historische Bühne. Die christlichen Kirchen begehen am 25. Januar das Fest seiner Bekehrung. äußert sich im ers­ten Brief an die Korinther (5,11) sehr klar: „Ihr sollt nichts mit einem zu schaffen haben, der sich Bruder nennen lässt und ist ein Unzüchtiger, Geiziger, Götzendiener, Läs­terer, Trunkenbold oder Räuber; mit so einem sollt ihr auch nicht essen.“

In kleinen, übersichtlichen Gemeinden, wo jeder jeden kennt und alle unter Be­obachtung stehen, mag dies der richtige Weg sein. Vor allem dann, wenn die Gemeinde auch das andere Pauluszitat aus 2. Korinther 2 beherzigt: „Es ist aber genug, dass derselbe von den meisten gestraft ist, so dass ihr nun ihm desto mehr vergeben und ihn trösten sollt, damit er nicht in allzu große Traurigkeit versinkt.“

Die Welt besteht aus Scheinheiligkeit

Doch in Kirchengemeinden mit über tausend Mitgliedern haben Gemeinderat und Pfarrer keine Chance, alle zu kennen. Deshalb argumentiert der Priester aus der Freiburger Erzdiözese: „Bei den Geschiedenen und Wiederverheirateten lässt sich der Bruch in der eigenen Biografie objektiv nachprüfen. Wer aber seinen Makel verbirgt, darf machen, was er will.“

Mit anderen Worten: Ein unverantwortlicher Finanzjongleur, der Tausende um ihre Renten bringt, selbst ein Zuhälter, der Frauen zu Sexsklaven macht, sie könnten unbemerkt zum Abendmahl vortreten – die Gemeinderätin und der ehrenamtliche Seelsorger, die offen und ehrlich über ihr Leben reden, aber nicht. „Unsere Welt besteht aus Scheinheiligkeit“, sagt der Priester, und er hat recht.

Wegweisend dürfte daher der Synodenbeschluss der Evangelischen Kirche im Rheinland von 2004 sein. Seine Überschrift: „Eingeladen sind alle. Warum die Kirche nicht vom Mahl des Herrn ausschließen darf.“ Zwar müsse die Kirche in bestimmten Situationen Nein sagen können. Aber sie dürfe sich nicht als Gastgeberin aufspielen. Zum Abendmahl lade noch immer der Herr der Kirche ein, Jesus Chris­tus. Der aß und feierte auch mit Sündern – und ermahnte die Heuchler zu Reue und Umkehr.

Leserkommentare

Aus der Seele gesprochen

Sie sprechen mir aus der Seele! Nicht irgendeine Institution hat das Abendmahl erfunden und hat Rechte daran, sondern Jesus selbst war es, der zum Abendmahl einlud. Danke auch für die weiteren Ausführungen.

Nur eine Jesus-Orientierung

Nur eine Jesus-Orientierung kann den Weg einer gelingenden Ökumene ebnen Kardinal Walter Kasper hat vor einiger Zeit das Ziel der Ökumene wie folgt formuliert : „Das Ziel der Ökumene ist die sichtbare Einheit, die keine uniformistische Einheitskirche ist, sondern Raum gibt für die legitime Vielfalt der Geistesgaben, Traditionen, Spiritualität und Kulturen.“ Einer solchen Formulierung kann man nur zustimmen Jesus hat keinen Menschen aus seiner Mahlgemeinschaft ausgeschlossen, zu der er insbesondere diejenigen einlud, die am Rande der Gesellschaft lebten. Diese Mahlgemeinschaft, Anzeichen des himmlischen Hochzeitsmahls, symbolisiert die Gleichheit aller vor Gott ; denn Gott akzeptiert alle ohne Ansehen der Person, erwartet aber auch von denen, die sich zum Mahle einladen lassen, eine brüderliche und schwesterliche Nähe und den Glauben an die liebende und verzeihende Kraft seiner frohmachenden und den Menschen befreienden Botschaft. Ernst Lange hat vor ca. 30 Jahren diese Aussage zusammengefasst in dem Satz : „Jesu Tisch kannte keine Zulassungsprobleme – außer der Frage, ob einer sich treffen ließ von der Liebe Jesu.“ Wenn Jesus selbst sich nicht scheute, auch mit jenen Personen gemeinsam Mahl zu halten, die in damaliger Zeit in den Augen der jüdischen Priesterschaft zu den outlaws zählten, so bleibt es unverständlich, warum wir Christen uns mit einem ökumenischen Abendmahl und einer ökumenischen Eucharistie so schwer tun. Wenn sich so viele Christen nach einer gemeinsamen Eucharistiefeier sehnen und sie dennoch offiziell verweigert wird, so stellt sich doch eine Vielzahl von Fragen: • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist oder liegt nicht eine gewisse Logik darin, dass Christen mit wechselseitiger eucharistischer Gastfreundschaft sich gegenseitig einladen, wenn sie doch gemeinsam daran glauben, dass Christus in Wort und Sakrament in der Mahlfeier gegenwärtig ist? • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern im Hinblick auf die erhoffte Versöhnung und Einheit der Menschen, die Jesus doch sehr am Herzen lag? • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen eine weitherzige Handhabung der Kommunion als ein Gebot der ökumenischen Barmherzigkeit verstehen? • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn wir im Zusammenhang mit der ökumenischen Eucharistie die Einladung Jesu, die allen Menschen gilt, höher stellen als ein „System von Richtigkeiten“? • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Befürworter der ökumenischen Eucharistie argumentieren, dass nicht die Kirche, sondern Christus dazu einlädt, und deshalb ein jeder willkommen ist? • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und damit bekunden, dass die Einheit der ganzen zerrissenen Menschheit Gottes Wille ist? • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und sich daran erinnern, dass aufgrund der zerrissenen Menschheit Gott seinen Sohn gesandt hat, damit dieser durch seinen Tod und seine Auferstehung uns seinen Geist der Liebe schenke? • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und sich dabei ins Bewusstsein rufen, dass am Vorabend seines Opfertodes am Kreuze Jesus selbst den Vater für seine Jünger und für alle, die an ihn glauben, darum bittet, dass „sie eins seien“ , eine lebendige Gemeinschaft? • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und sich der Verantwortung gegenüber Gottes Plan stellen, dass die durch die Taufe vereinten Christen zu einem Leib werden mögen, in dem sich die Versöhnung und die Gemeinschaft voll verwirklichen soll? • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und dabei sich des Glaubens bewusst werden, dass sie durch die Taufe eingetaucht wurden in den Tod des Herrn, das heißt in den Akt selbst, in dem Gott durch den Sohn die Wände der Trennung niedergerissen hat? • Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und sich vor Augen führen, dass die Spaltung ganz offenbar im Gegensatz zum Willen Christi steht und dabei mit bedenken, dass die „Spaltung ein Ärgernis für die Welt und ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums vor allen Geschöpfen ist“ ? Es ist doch theologisch unzulässig und pastoral problematisch, wenn sich die katholische Kirche auf den Willen Jesu oder die ungebrochene Tradition der Kirche beruft, um ökumenisches Miteinander bei der Abendmahls- und Eucharistiefeier zu unterbinden. Entscheidend dagegen ist für die Nachfolger Jesu, dass Menschen sich seiner erinnern, seine Gegenwart in Wort und Sakrament feiern und versuchen, seine Botschaft in der Welt erfahrbar werden zu lassen. Die wesentlichen Merkmale der Kirche sind somit Wortverkündigung und Sakrament. So heißt es auch in der Confessio Augustana: "Est autem ecclesia congregatio sanctorum, in qua evangelium pure docetur et recte administrantur sacramenta." Die Kirche ist also die Versammlung der Gläubigen, in der das Evangelium rein gelehrt und die Sakramente richtig verwaltet werden. Auf dieser Grundlage ist eine Vielfalt von Kirchenverständnis möglich. Millionen Christen, die auf die Kraft des Heiligen Geistes bauen, beten jeden Tag darum, dass bei allen Beteiligten, die für den Bau des ökumenischen Hauses Verantwortung tragen , die Einsicht darin wachsen möge, dass selbstverständlich dieses Haus von unterschiedlichen Baustilen und verschiedensten Formen der Innenausstattung geprägt sein muss und dass vor allem in diesem Haus Platz für unterschiedliche Bewohner sein muss, die sich jedoch in einem einig sind : Sie verdanken sich Jesus von Nazareth, bekennen ihn in ihrer Mitte als in Wort und Sakrament gegenwärtig und versuchen, die Botschaft Jesu von der befreienden Nähe Gottes den Menschen nahe zu bringen. Der Braunschweiger Landesbischof Weber schilderte im letzten Jahr aus evangelischer Perspektive nach meiner Ansicht zutreffend, wie weite Kreise der kath. Kirche sich Ökumene vorstellen: „Die katholische Kirche ist bereit, ihre Tür zu vergrößern, damit auch der evangelische Schrank in ihr Haus passt. Aber die Struktur des Hauses ist nach ihrer Überzeugung von Gott vorgegeben in der Gemeinschaft der Bischöfe als Nachfolger des Apostelkollegiums mit dem Papst als seinem Haupt. Und erst wenn über die Struktur des Hauses, also über das Verständnis von Kirche, Einheit herrscht, dann ist auch die gemeinsame Feier des Abendmahles als Ausdruck dieser Gemeinschaft möglich. Die Abendmahlsgemeinschaft ist hier also Endpunkt einer ökumenischen Entwicklung.“ Hinsichtlich des Monopolanspruchs der kath. Kirche auf die einzig von Gott eingesetzte Kirche formuliert der evang. Theologe Schorlemer zu Recht: „Diese römische Arroganz müsste als Erstes abgelegt werden, und dafür ist er leider mitverantwortlich, ein Mann, der ansonsten auch sehr bescheiden auftritt, ein eher schüchterner Mensch zu sein scheint, und doch den Menschen wie gestern im Stadion, doch den katholischen Menschen eine Glaubensstärkung gibt, aber auch gleichzeitig Treue einschwört zur Kirche, und dann gibt es nur eine Kirche, das ist die Kirche, die römische. Also dieser römische Alleinvertretungsanspruch muss eigentlich weg. Wir müssen zu einer Einheit in versöhnter Vielfalt kommen. Das ist auch das, was die Welt von uns erwartet, und ich glaube, das entspricht auch dem Geist Christi.“ Und hinsichtlich der Reformbereitschaft der kath. Kirche formuliert Schorlemer: „Sie hat, glaube ich, Angst davor, wenn sie anfängt, sich zu reformieren, dass das Ganze dann irgendwie zusammenfällt, und deswegen polemisiert der Papst stark gegen Relativismus, aber was er macht, ist auch ein alter Dogmatismus.“ Ergänzend und unterstützend formuliert der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Kock, hinsichtlich der Bereitschaft der kath. Kirche in der Ökumene-Frage auf die evang. Kirche zuzugehen: „Das ist nicht anzunehmen, obwohl es der katholischen Kirche gut täte, sich in diesen Fragen mehr zu öffnen. Ich kenne die Argumente der katholischen Kirche und verstehe sie intellektuell, halte sie aber für falsch. Die Theologie ist eigentlich ganz nah beieinander, im Blick auf das Abendmahlsverständnis gibt es keinen kirchentrennenden Unterschied mehr. Viele katholische Theologen wissen, dass die bischöfliche Tradition nicht das Wesen der Kirche ausmacht. Es gab schon in neutestamentlicher Zeit presbyteriale Verfassungen. Da kann niemand nachträglich sagen: Das war nicht Kirche. Was noch trennt, ist vor allem die kirchliche Praxis und die Angst der gegenwärtigen römischen Hierarchie vor einer Protestantisierung der eigenen Kirche.“ Weber, Schorlemer und Kock haben aus meiner Perspektive in korrekter Weise das Ökumenische Verständnis der kath. Amtskirche wiedergegeben. Diese Sichtweise der kath. Amtskirche wird jedoch dazu führen, dass eine „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ auf den Sankt Nimmerleins-Tag verschoben wird – und zwar ausschließlich deshalb, weil Machtfragen in der römischen Zentrale eine Einheit verhindern. Solange die offizielle katholische Position behauptet, dass Jesus eine hierarchisch strukturierte Papst- und Priesterkirche gewollt und er die Anerkennung dieser Kirchenstruktur als notwendige Voraussetzung für die Teilnahme an seinem Versöhnungsmahl angesehen hat, so lange wird es keinen ökumenischen Fortschritt geben. Es ist theologisch unzulässig und pastoral problematisch, wenn sich die katholische Kirche auf den Willen Jesu oder die ungebrochene Tradition der Kirche beruft, um ökumenisches Miteinander bei der Abendmahls- und Eucharistiefeier zu unterbinden. Entscheidend dagegen ist für die Nachfolger Jesu, dass Menschen sich seiner erinnern, seine Gegenwart in Wort und Sakrament feiern und versuchen, seine Botschaft in der Welt erfahrbar werden zu lassen. Die Überzeugung in der katholischen Kirche, die „einzig wahre, katholische und apostolische Kirche“ zu sein, die geleitet wird vom „Stellvertreter Jesu Christi“ und ausschließlich repräsentiert wird von Amtsträgern, die „in persona Christi“ agieren, bilden eine ungeheuere Barriere für eine Ökumene, die Gleichwertigkeit der Partner zur Voraussetzung hat. Wenn auch viele Christen der reformierten Kirchen mittlerweile einen universalkirchlichen Petrusdienst als menschliche Einrichtung (iure humano) für durchaus nützlich ansehen („Communio mit Petrus“), so wird die katholische Kirche zur Kenntnis nehmen müssen, dass sie Abschied nehmen muss von der Vorstellung einer „Communio unter Petrus“. Die Chancen bezüglich einer Einheit der christlichen Kirchen ist in elementarer Weise abhängig von dem zugrunde gelegten Oekumene - Verständnis. Geht man unter einer ekklesiozentrischen Prämisse an diese Frage heran, so kann die Folgerung für die „abgefallenen“ Kirchen aus katholischer Perspektive nur lauten, dass eine Einheit nur als Rückkehr der anderen in den „wahren“ Schoß der katholischen Kirche möglich ist, da diese sich als die „einzig wahre“ Kirche Jesu Christi wähnt. Dieser Denkansatz wird heute noch von denjenigen verkündet, die das Rad der Kirchengeschichte auf eine vorkonziliare Zeit zurückdrehen möchten; auf das Zweite Vatikanische Konzil können sich diese römischen Zentralisten nicht berufen, denn dieses hatte bezüglich des oekumenischen Ansatzes den christozentrischen Ansatz in den Mittelpunkt gestellt; nicht das kirchengeschichtlich Trennende sollte im Vordergrund stehen, sondern das christologisch Verbindende. Kardinal Kasper hat darauf hingewiesen, dass es auch in der Urkirche keine zentralistische Einheitskirche gegeben hat : „...denn historisch gesehen gab es vermutlich von Anfang mehrere Gemeinden , neben der Jerusalemer Gemeinde auch Gemeinden in Galiläa. Die eine Kirche bestand als von Anfang an ´in und aus´ Ortskirchen.“ Kasper, der im Gegensatz zu Ratzinger nicht einer zentralistischen Einheitskirche das Wort redet, sondern sich für eine Balance von Universal- und Partikularkirchen einsetzt, beschreibt dann auch folgerichtig aus seiner Perspektive die Zielvorstellung einer zukunftsweisenden Oekumene: „Die oekumenische Zielvorstellung ist ja nicht die uniformistische Einheitskirche, sondern eine Kirche in versöhnter Verschiedenheit.“ Vertreter beider Konfessionen sollten einsehen, dass es nicht darum geht, dass die Evangelischen katholischer und die Katholischen evangelischer werden müssen; Ökumene kann nicht auf eine totale Einheit in allen Einzelfragen hinauslaufen, aber notwendig ist, dass keine Kirche das, was eine andere Kirche amtlich offiziell verbindlich lehrt, als Widerspruch zum Evangelium betrachtet. Ökumene will kein Verarmungsprozess sein, bei dem man sich auf den geringsten gemeinsamen Nenner einigt; Ökumene will und muss als ein Lern- und Mehrungsprozess verstanden werden, bei dem alle Beteiligten voneinander lernen. Keine Konfession darf und soll ihre Identität aufgeben müssen; zu der Vorstellung von einer „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ gibt es, wenn alle Beteiligten wahrhaftig und ernsthaft den Gedanken der Ökumene verwirklichen möchten, keine Alternative! Paul Haverkamp, Lingen

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