Wer darf am Abendmahl teilnehmen? Ab jetzt mit neuem Podcast
Eigentlich dürfte der Priester dieser Frau die geweihte Hostie nicht reichen. Sie ist Gemeinderätin, Kommunionshelferin, Lektorin, Firmmutter. Doch ihr Mann will keine kirchliche Hochzeit. Und damit – so sagt dieser Priester aus der Erzdiözese Freiburg – dürfe sie eigentlich nicht zur Kommunion zugelassen werden. Nach den Richtlinien der vatikanischen Glaubenskongregation lebt sie in einer ungültigen Ehe und somit im Widerspruch zum Gesetz Christi.
------------
------------
-----------
Ebenso müsste der Priester auch den Mann ausschließen, der früher lange Mi-nistrant war und der – neben seiner Arbeit im Schichtdienst – regelmäßig Pfarrgemeindemitglieder im Altersheim besucht. Sein angebliches Vergehen: Er hat die geschiedene Mutter zweier erwachsener Töchter geheiratet. Er hatte sie lange nach ihrer Scheidung kennengelernt. Doch nach der offiziellen Lehre der römisch-katholischen Kirche ist die Ehe generell unauflöslich, auch die erste Ehe dieser Frau.
Ausschluss als Mittel der Kirchenzucht
Warum er diese beiden vom AbendmahlDas Abendmahl vergegenwärtigt das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Beim Abendmahl bekomme man eine Vorstellung von der künftigen Mahlgemeinschaft im Reich Gottes, glauben Christen. Nach Matthäus 26,29 spricht Jesus von dem Tag, „an dem ich von neuem vom Gewächs des Weinstocks mit euch in meines Vaters Reich trinken werde“. Katholiken und Protestanten erkennen das Abendmahl als Sakrament an, als sichtbares Zeichen von Gottes unsichtbarem Handeln. Dennoch trennt der Streit um das Abendmahl die Konfessionen. Wie sind etwa Jesu Worte „Das ist mein Leib... und Blut“ zu verstehen? Verwandeln sich Brot und Wein in Christi Leib und Blut? Das ist die katholische Vorstellung. Früher herrschte auch innerhalb der Protestanten darüber Uneinigkeit.
Reformierte Protestanten verstanden die Gleichsetzung symbolisch, Lutheraner bestanden auf einer wörtlichen Auslegung. Seit der „Leuenberger Konkordie“ von 1973 halten beide die früheren gegenseitigen Verwerfungen für überwunden: Damit leibliche Gegenwart entstehe, bedürfe es keiner Wandlung der Elemente. Sie bedeute vielmehr, dass Christus in der Mahlgemeinschaft geheimnisvoll gegenwärtig sei. ausschließen müsse, verstehe kein Mensch, sagt der Priester: „Das wird ja nicht gefordert, weil die Leute etwa mit der Kirche nichts zu tun hätten und liederlich leben würden.“ Deswegen lässt er in seiner Pfarrgemeinde auch jene zur Eucharistiefeier zu, von denen er weiß, dass ihre Ehe nicht den Vorgaben seiner Kirche entspricht. Mit anderen Priestern und Diakonen der Erzdiözese Freiburg fordert er öffentlich: Geschiedene und Wiederverheiratete dürfen vom Empfang der Sakramente nicht ausgeschlossen werden.
Das Problem, das derzeit in der Freiburger Erzdiözese Priester, Diakone und Lektoren zum Widerspruch reizt, ist kein rein katholisches. In evangelischen Kirchen galt zumindest in früheren Zeiten der Ausschluss vom Abendmahl als Mittel der Kirchenzucht. Im 16. und 17. Jahrhundert maßregelte man prügelnde Ehemänner, Säufer und Betrüger, indem man sie vorübergehend aus der Gemeinschaft der örtlichen Christenheit ausschloss. Seit langer Zeit schon werden solche Strafen kaum mehr verhängt.
"Mit so einem sollt ihr nicht essen"
Doch die Frage bleibt: Dürfen Pfarrer und Kirchgemeinderäte einzelne Mitglieder vom Abendmahl ausschließen? Der Apostel PaulusSo wurde Saulus zum Paulus: Eine Wegstunde von Damaskus entfernt, ungefähr um das Jahr 40 nach Christi Geburt, geschah etwas für den weiteren Weg des Christentums Folgenreiches: Der Pharisäer Saulus, ein frommer Jude, im Land unterwegs zur Eindämmung der entstehenden jungen christlichen Gemeinden, erlebte seine persönliche Bekehrung zum Glauben an Jesus Christus. Er hatte eine Lichtvision und hörte die Stimme Jesu sagen: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Saul war drei Tage blind, doch dann erkannte er: In Jesus Christus liegt alles Heil. So konsequent, wie er zuvor die Gemeinden Christi verfolgt hatte, engagierte er sich fortan für sie, er wirkte als Missionar. Saulus war zum Paulus geworden. Das 9. Kapitel der Apostelgeschichte berichtet von dieser entscheidenden Weichenstellung für das Christentum. Mit Paulus betrat einer der ersten und profiliertesten Theologen des Urchristentums die historische Bühne. Die christlichen Kirchen begehen am 25. Januar das Fest seiner Bekehrung. äußert sich im ersten Brief an die Korinther (5,11) sehr klar: „Ihr sollt nichts mit einem zu schaffen haben, der sich Bruder nennen lässt und ist ein Unzüchtiger, Geiziger, Götzendiener, Lästerer, Trunkenbold oder Räuber; mit so einem sollt ihr auch nicht essen.“
In kleinen, übersichtlichen Gemeinden, wo jeder jeden kennt und alle unter Beobachtung stehen, mag dies der richtige Weg sein. Vor allem dann, wenn die Gemeinde auch das andere Pauluszitat aus 2. Korinther 2 beherzigt: „Es ist aber genug, dass derselbe von den meisten gestraft ist, so dass ihr nun ihm desto mehr vergeben und ihn trösten sollt, damit er nicht in allzu große Traurigkeit versinkt.“
Die Welt besteht aus Scheinheiligkeit
Doch in Kirchengemeinden mit über tausend Mitgliedern haben Gemeinderat und Pfarrer keine Chance, alle zu kennen. Deshalb argumentiert der Priester aus der Freiburger Erzdiözese: „Bei den Geschiedenen und Wiederverheirateten lässt sich der Bruch in der eigenen Biografie objektiv nachprüfen. Wer aber seinen Makel verbirgt, darf machen, was er will.“
Mit anderen Worten: Ein unverantwortlicher Finanzjongleur, der Tausende um ihre Renten bringt, selbst ein Zuhälter, der Frauen zu Sexsklaven macht, sie könnten unbemerkt zum Abendmahl vortreten – die Gemeinderätin und der ehrenamtliche Seelsorger, die offen und ehrlich über ihr Leben reden, aber nicht. „Unsere Welt besteht aus Scheinheiligkeit“, sagt der Priester, und er hat recht.
Wegweisend dürfte daher der Synodenbeschluss der Evangelischen Kirche im Rheinland von 2004 sein. Seine Überschrift: „Eingeladen sind alle. Warum die Kirche nicht vom Mahl des Herrn ausschließen darf.“ Zwar müsse die Kirche in bestimmten Situationen Nein sagen können. Aber sie dürfe sich nicht als Gastgeberin aufspielen. Zum Abendmahl lade noch immer der Herr der Kirche ein, Jesus Christus. Der aß und feierte auch mit Sündern – und ermahnte die Heuchler zu Reue und Umkehr.


Leserkommentare
Aus der Seele gesprochen
Nur eine Jesus-Orientierung
Leserkommentar hinzufügen