Kann man Gott beleidigen? Was Blasphemie ist und was berechtigte Ironie
Der Düsseldorfer Maler Siegfried Anzinger, ein Österreicher mit einem ausgeprägten Hang zu religiösen Motiven, konnte im Mai seine Ausstellung in der katholischen Gemeinde und „Kunst-Station“ Sankt Peter in Köln nicht zeigen. Es hatte Streit mit dem Kunstbeirat und dem Pfarrer der Gemeinde über einige Bilder gegeben. Eines zeigt ein gekreuzigtes Schwein, dem ein Mensch mit der Lanze in die Brust sticht – ähnlich wie es ein römischer Soldat in der Leidensgeschichte Jesu getan hat. Zwei weitere Schweine, eher Ferkel, laufen über den Querbalken des Kreuzes.
Das gekreuzigte Schwein: eine Zumutung für Gottesdienstbesucher
Bei einem anderen Bild spielt offensichtlich ein erigierter Phallus mit Schlange eine Rolle. Der Pfarrer der kunstsinnigen Gemeinde hatte den Maler gebeten, auf diese Motive bei der Ausstellung zu verzichten. Seine Begründung: In Sankt Peter fänden Gottesdienste, auch Kindergottesdienste, und Taufen statt. Das gekreuzigte Schwein wäre eine Zumutung für manchen Gottesdienstbesucher.
Sowohl der Pfarrer als auch der künstlerische Leiter des Beirats versuchen, das Wort Blasphemie, Gotteslästerung, zu vermeiden. Nicht aber der Maler. Die Gemeinde habe Angst vor einer „blasphemischen Interpretation seitens der Gläubigen“, schreibt er in einer Erklärung.
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Von Blasphemie spricht niemand gern. Wer sie beklagt, weckt schnell den Verdacht, religiös konservativ zu sein. Kann es überhaupt so etwas wie Blasphemie, Gotteslästerung, geben? Lässt sich Gott beleidigen? Sicherlich gibt es verständliche Gründe, sich gegen Gott aufzulehnen – das kommt, siehe Hiob, auch in der BibelDie Bibel (griechisch „biblia“ = Bücher) ist die Heilige Schrift der Christen. Die Bibel ist in das Alte und in das Neue Testament aufgeteilt. Das Alte Testament ist ursprünglich in Hebräisch geschrieben. Es beginnt mit der Schöpfungsgeschichte und enthält neben den Urgeschichten der Menschheit Prophetenbücher, Weisheitstexte und die Geschichte des Volkes Israel. Viele Schlüsseltexte der westlichen Kultur finden sich im Alten Testament, wie zum Beispiel die Zehn Gebote. Das Neue Testament ist ursprünglich in Griechisch geschrieben. Es enthält unter anderem die vier Evangelien, die vom Leben, von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi erzählen, und eine Anzahl theologischer Briefe, von denen die des Apostels Paulus am wichtigsten sind. Bis ins 15. Jahrhundert wurde die Bibel fast nur in ihrer lateinischen Übersetzung (Vulgata) gelesen. Martin Luther übersetzte die Bibel von 1520 bis 1536 ins Deutsche. Alle christlichen Kirchen berufen sich in ihrer Lehre und in ihrer Praxis auf die Bibel, auf das Alte und das Neue Testament, als wichtigste Quelle. vor: wenn Menschen mit ihrem Schicksal hadern, sich von Gott verlassen fühlen. Es gibt zudem viele Gründe, sich künstlerisch, humoristisch, satirisch mit den Religionsgemeinschaften auseinanderzusetzen. Wo falsches Pathos, ethischer Rigorismus, überzogene Selbstdarstellung, provinzielle Selbstgefälligkeit regieren, kann Satire eine befreiende Wirkung haben. Da geht es aber im Grunde um menschliches Fehlverhalten. Gregor Hoff, Salzburger Theologieprofessor, sagte bei einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern: „Will man allen Ernstes Gott schützen? Blasphemie kennzeichnet ... eine falsche, weil unangemessene Rede von Gott. Angegriffen können sich, streng theologisch gesehen, nur die Gottesverehrer selbst sehen – und das im Karikaturenstreit mit gutem Grund.“
Menschlich-Allzumenschliches muss sich Ironie gefallen lassen
Im Christentum tut solche Art des Spotts oder der Satire längst nicht mehr so weh wie früher, anders als im Islam, wo die Mohammed-Karikaturen für große Unruhe sorgten. Mohammeds Bomben-Turban ironisierte aber das Thema Gewalt, es stellt nicht Mohammed selbst infrage. Auch hier ist es wichtig, auf die Intention zu achten. In allen religiösen Bekenntnissen menschelt es gewaltig. Doch während bei den Christen die Einsicht gewachsen ist, dass weite Teile des Glaubens von Menschen geprägt sind, gilt vielen Muslimen ihr Glaube als unhinterfragbar, weil direkt von Gott gestiftet und für alle Zeit in ihrem Bekenntnis festgelegt.
Menschen dürfen Respekt verlangen, auch in religiösen Fragen. Deshalb genießt ihr Bekenntnis auch den Schutz des deutschen Strafrechts. In der Piratenpartei gibt es allerdings eine Onlinediskussion darüber, ob nicht der Paragraf 166 des Strafgesetzbuches (StGB) ganz gestrichen werden sollte, also die Strafe für die Beschimpfung religiöser Bekenntnisse. Das Strafrecht hebt ja nur auf Situationen ab, in denen solche Beschimpfung „geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“. Bei einer Gotteslästerung ohne anschließenden breiten Unmut in der Bevölkerung greift das StGB also nicht. Der Schutz der Glaubensinhalte selbst ist strafrechtlich nicht fassbar. Das ist auch richtig so: Wie sollte die Justiz auch über Glaubensinhalte urteilen? Trotzdem geht der Vorschlag der Piraten in die falsche Richtung, denn Paragraf 166 StGB schützt den gesellschaftlichen Frieden.
Schade um die abgesagte Ausstellung in Köln. Aber die Kunst-Station Sankt Peter ist eben keine Galerie, sondern eine aktiv genutzte Kirche. Und da gelten nun einmal die Regeln der Gemeinde.
Information
Vom Wert des Verbietens: Der Schriftsteller Martin Mosebach mit seinem umstrittenen Beitrag zur Blasphemie.


Leserkommentare
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