Religion für Einsteiger: Glauben Christen und Muslime an denselben Gott?

Einer für alle

Foto: Michael Ondruch

Muslime im Kölner Dom, Buddhisten in der Moschee: Das geht vielen frommen Menschen entschieden zu weit. Die Frage ist nur, ob das auch Gott überfordert

Als in Köln am Rhein noch ein anderer Kardinal waltete, in den 1960er Jahren, stellte er türkischen Arbeitsmigranten die beiden nördlichen Seitenschiffe des Doms für ihre Gottesdienste zur Verfügung. Damals gab es nämlich einfach nicht genug Moscheen in Köln. So breiteten am Ende des Ramadan 1965 Hunderte Muslime ihre Gebetsteppiche im Kölner Dom aus, um das Ende des Fastenmonats mit einem Gottesdienst zu feiern.

Wen mochten die Muslime an dieser urkatholischen Stätte angebetet haben? Ohne jeden Zweifel Allah. Sicherlich wären sie nicht auf die Idee gekommen, dass sich im Dom ihre Gebete gleichsam automatisch an den christlichen Gott richten. Und die Vertreter des Erzbistums, Kardinal Josef Frings eingeschlossen, auch nicht. Beide Seiten sahen diesen Besuch als Akt der Gastfreundschaft, angestoßen durch die katholischen Liberalisierungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965).

Drei Namen oder drei Götter?

Allah, Jahwe, der dreieinige Gott: das sind die Namen Gottes in den drei großen Weltreligionen. Nur drei Namensvaria­tionen für denselben Gott? Oder sind es Namen für so unterschiedliche Gottesvorstellungen, dass sie sich kaum in Deckung bringen lassen, man also redlicherweise von unterschiedlichen Göttern sprechen muss?

Gerade die gewalttätigen Auseinan­dersetzungen zwischen Vertretern verschiedener Religionen, zum Beispiel im Bosnienkrieg in den 1990er Jahren oder im gegenwärtigen Afghanistankrieg, lassen erkennen: Die wenigsten Menschen glauben daran, dass ein und derselbe Gott ihre Geschicke und zugleich die der Gegenseite lenkt. Selbst dort, wo ganz offensichtlich reine Machtfragen zum Krieg führen und es keine religiösen Unterschiede gibt, wird der Gedanke verdrängt: Wir alle glauben im Grunde an denselben Gott.

Im „Großen Glaubensbekenntnis“ der Christen heißt es: Wir glauben an den­ EINEN Gott. Das bedeutet nicht nur, dass Vielgötterei im Christentum keinen Platz hat, sondern auch: Es gibt nur einen Gott, jenen, der Himmel und Erde erschaffen hat mitsamt allen Menschen. Es wäre, aus der Perspektive welcher Glaubensgemeinschaft auch immer, ein merkwürdiger Gott, der nur im Rahmen einer bestimmten ­Personengruppe (Glaubensgemeinschaft), regional begrenzt und mit eng umrissenen Zuständigkeiten walten würde. Ein solcher Gott wäre ein Widerspruch in sich. Leider ist immer noch die Haltung verbreitet, den Gott des eigenen Glaubens zum alleinigen Maßstab zu machen, den in anderen Religionen geglaubten und verehrten Gott aber schlicht als Irrglauben abzutun. Wer das denkt, mogelt sich um die Grundfrage herum: Woher will er wissen, ob sich der eine, der einzige Gott nicht auch in an­deren Religionen offenbart, wenn auch in ganz anderer Weise?

Die Nagelprobe: das gemeinsame Gebet

Es kann geradezu ein Zeichen tiefen Glaubens sein, zu sagen: Gott ist überall zu Hause. Unser Denken, unsere Fantasie reichen nicht aus, ihn ganz zu erfassen. Eine Nagelprobe auf den eigenen Glauben ist das Gebet. Dürfen Christen, Juden, Muslime, Hindus und Buddhisten gemeinsam Gott anbeten – nicht etwa abwechselnd oder nacheinander, jeder zu seiner Zeit und zu seinem eigenen Gott? In gemeinsamen Gottesdiensten zur Einschulung ist so ein abwechselndes Gebet sehr verbreitet. Warum wagen so wenige Christen mehr Gemeinsamkeit, vorgetragen mit einer Stimme, in ein und demselben ­Augenblick, adressiert an die eine, identische Instanz?

Vielen Christen geht das zu weit. Sie führen die vielen kulturellen und ethischen Unterschiede zwischen den Reli­gionen an: den Umgang mit Macht und Autorität, die Frauenrechte, die Gewissensfreiheit, den Vorrang der Liebe vor den Normen, die wörtliche Geltung der heiligen Bücher.

Der Theologe Klaus-Peter Jörns sagt: ­Jede Religion ist eine „besondere Gedächtnisspur“ in der weltweiten Geschichte Gottes. Ihr darf man sicherlich folgen, sollte anderen aber nicht zum Vorwurf ­machen, wenn ihnen diese Spur zu eng ist und sie sich auf die Suche machen nach den anderen Facetten Gottes.

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Lesermeinungen

Ich frage mich, wo der geehrte Herr Klaus Peter Jörns gelernt hat, dass "Jede Religion eine besondere Gedächnisspur" sei und dass man bitteschön tolerant sein mag.

In meinem neuen Testament steht, dass Christus und Bileal genauso wenig miteinander zu tun hat wie Gerechtigkeit mit Ungerechtigkeit (2. Kor. 6, 14ff) und dass in Jesus allein das Heil ist und dass kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, durch den wir selig werden (Apg. 4,12).
Diese ökumensche Gleichmacherei geht mir wirklich an die Nieren.

Nein, ich sage nicht, dass sich jede Denomination bekriegen soll, aber ich bin der Meinung dass man nicht zusammenstecken soll, was einfach nicht zusammengehört.

Noch ein paar Suren aus dem Koran:

Sure 5,35
Pa: Ihr Gläubigen! Fürchtet Allah und trachtet danach, ihm nahe zu kommen, und führet um seinetwillen Krieg.

Sure 8,39
Pa: Und kämpft gegen sie, bis niemand (mehr) versucht, (Gläubige zum Abfall vom Islam) zu verführen, und bis nur noch Allah verehrt wird!

Sure 5,38
Pa: Wenn ein Mann oder eine Frau einen Diebstahl begangen hat, dann haut ihnen die Hand ab.

Sure 4,34
Pa: Die Männer stehen über den Frauen … Und wenn ihr fürchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie.

Spontan sehe ich da keine besonders größen Ähnlichkeiten - aber vielleicht bin ich einfach zu engstirnig und kleinkarriert.

Markus Ka schrieb am 8. Februar 2015 um 1:37: "Spontan sehe ich da keine besonders größen Ähnlichkeiten". Da kann ich Ihnen gerne behilflich sein. Allah ist also kriegslüstern und begünstigt seine Klientel, die Moslems. Ganz anders Jesus und sein Papi, der Gott der Bibel! Das sind echte Friedensfreunde und frühe Multi-Kulti-Anhänger. Nachzulesen in 5. Mose 7, 1-8 (unrevidierte Elberfelder Übersetzung):
"Wenn Jahwe, dein Gott, dich in das Land bringt, wohin du kommst, um es in Besitz zu nehmen, und viele Nationen vor dir hinaustreibt: die Hethiter und die Girgasiter und die Amoriter und die Kanaaniter und die Perisiter und die Hewiter und die Jebusiter, sieben Nationen, größer und stärker als du, und Jahwe, dein Gott, sie vor dir dahingibt, und du sie schlägst, so sollst du sie ganz und gar verbannen; du sollst keinen Bund mit ihnen machen, noch Gnade gegen sie üben. Und du sollst dich nicht mit ihnen verschwägern. Deine Tochter sollst du nicht seinem Sohne geben, und seine Tochter sollst du nicht für deinen Sohn nehmen; denn sie würden deine Söhne von mir abwendig machen, daß sie anderen Göttern dienten; und der Zorn Jahwes würde wider euch entbrennen, und er würde dich schnell vertilgen. Sondern also sollt ihr ihnen tun: Ihre Altäre sollt ihr niederreißen und ihre Bildsäulen zerbrechen und ihre Ascherim umhauen und ihre geschnitzten Bilder mit Feuer verbrennen. Denn ein heiliges Volk bist du Jahwe, deinem Gott. Dich hat Jahwe, dein Gott, erwählt, ihm zum Eigentumsvolke zu sein aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind. Nicht weil euer mehr wären als aller Völker, hat Jahwe sich euch zugeneigt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; sondern wegen Jahwes Liebe zu euch, und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen, hat Jahwe euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Hause der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten." _________________________________________________
Soweit also die völkerverbindende Liebe Gottes. Für das neutestamentliche Frauenförderungsprogramm ist einschlägig 1. Tim 2,11-14 (Lutherübersetzung, Fassung von 1912): "Ein Weib lerne in der Stille mit aller Untertänigkeit. Einem Weibe aber gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie des Mannes Herr sei, sondern stille sei. Denn Adam ist am ersten gemacht, darnach Eva. Und Adam ward nicht verführt; das Weib aber ward verführt und hat die Übertretung eingeführt."

Haben Christen und Moslems den gleichen Gott?
Nein
Allah hat keinen Sohn. Der Gott der bibel ist der Vater Jesu Christi und Jesus ist sein Ebenbild.
Man könnte auch einen Moslem fragen, ob Jesus Christus die Welt geschaffen hat, wie es die Bibel bezeugt. Er würde verneinen.
es geht gar nicht um kulturelle Unterschiede, sondern darum, dass der Gott Mohammeds nicht der Gott der Bibel ist.
Die Wahrheit mit faulen Kompromissen unter dem Deckmantel der Toleranz und der Liebe hilft niemandem.
Im Hohelied der Liebe heißt es, dass ein Merkmal der Liebe ist, dass die Liebe sich an der Wahrheit freut.
Schade, dass der Artikel ( und nicht nur dieser) der hier für "Einsteiger" gedacht ist einem nur ein bisschen himanistisches Gedankengut präsentiert und einem wirklich Suchenden nicht weiterhilft, weil der einzige Weg zu Gott Jesus Christus ist und es keinen anderen Namen gibt durch den wir selig werden sollen bzw. können.

Die Rubrik "Religion für Einsteiger" in Ihrem Magazin gehört in der Regel nicht zu den Texten, die mich besonders ansprechen; das liegt daran, daß fast immer Ihre eingangs plakativ gestellte Frage eher verklausuliert und - so jedenfalls mein Eindruck - damit nicht eindeutig beantwortet wird.
Dieses Mal lautet die Frage: Glauben alle an denselben Gott? Da ich letztens genau darüber eine private Diskussion hatte, in der gesagt wurde, daß Muslime und Christen doch an denselben Gott glauben, war ich gespannt auf Ihre Antwort.
Erstaunlicherweise gehen Sie in Ihrem Text auf das "Alleinstellungsmerkmal" des Christentums, nämlich Jesus Christus, gar nicht ein! Dabei macht ER doch das Christentum aus, das es ohne IHN gar nicht gäbe. Durch IHN können Christen doch ein anderes "Bild" von Gott haben, können "Vater Unser" sagen - das ist doch, wenn man so sagen will, eine ganz andere Gottesvorstellung! Bedauerlich, und für mich unverständlich, daß Sie dies nicht herausarbeiten.
Es bleibt im übrigen davon unberührt, daß es natürlich nur einen Gott gibt, der sich selbstverständlich in je unterschiedlicher Art und Weise in Geschichte und Gegenwart offenbart und offenbaren kann (wie eben beispielsweise in Jesus Christus).
Was das Stichwort "Buddhisten" in Ihrer Anmoderation bedeuten soll, hat sich mir nicht erschlossen - zählt der Buddhismus zu den monotheistischen Religionen? Wäre mir neu.

Ich bin etwas erstaunt, dass ich in ihrer aktuellen Ausgabe unter dem Titel „Glauben alle an denselben Gott?“ genau diese Vorstellung von Herrn Kopp lese, nämlich dass Juden, Christen und Muslime alle an einen Gott glauben. Nur weil „Allah“ mit Gott übersetzt wird, heißt dass ja noch nicht, dass er derselbe Gott ist, wie der christliche Gott. Mir geht die Vorstellung eines Gottes der seine Gedächtnisspuren hinterlässt tatsächlich, wie Herr Kopp richtig vermutet, zu weit. Allerdings nicht des Umgangs mit Macht, der Frauenquote, der Nächstenliebe oder ähnlichen zweitrangigen Dingen, sondern wegen Jesus Christus. Gott kommt auf die Erde und durchleidet ein Leben an dessen Ende ein grausamer Tod steht. Wo das mit der Gottesvorstellung von Juden und Muslimen in Einklang zu bringen ist, wüsste ich doch gern. Für mich geht diese Tat weit über individuelle Gedächtnisspuren hinaus.

Herr Kopp beginnt - wie mir als unregelmäßigem Leser scheint - wie er's gern macht: mit einem Bezug zur katholischen Kirche. 
Warum, und warum öfters so? Dann argumentiert er logisch: was für ein "merkwürdiger Gott... der nur regional begrenzt und mit eng umrissenen Zuständigkeiten walten würde" - was seiner Meinung nach so wäre, wenn jede Religion ihren eigenen Gott hätte; was er aber nicht glaubt. Theologisch knüpft er seine Meinung von "demselben Gott", an den "alle glauben", lediglich an die Schöpfung. Etwas dünn, dies Band, wenn man bedenkt, dass Christen dem Gott glauben, der sich in Christus - und nach dem Neuen Testament gerade darin unüberbietbar - offenbart hat. Das wiederum hat Gott gemäß den Aussagen anderer Religionen natürlich nicht getan. Und wenn man dann noch die Wege zum letzten Ziel, die die Religionen anbieten, vergleicht, dann unterscheiden sich diese so weit, dass man bereit sein  muss, das menschliche Bedürfnis nach Logik gleich aufzugeben, um hinter diesen gegensätzlichen Angeboten noch den gleichen Absender sehen zu können. So geht's wohl nicht, denn wie kann man einer Religion gerecht werden, wenn man ihr ihren selbstverständlichen Alleinvertretungsanspruch raubt? Tut man ihr damit nicht Gewalt an? Dagegen sind "kulturelle und ethische Unterschiede zwschen den Religionen" doch zweitrangig - oder? Zum Vergleich der Religionen erscheinen mir vier Fragen hilfreich: Wie offenbart sich Gott? Was ist das letzte Ziel? Welcher Weg führt zum letzten Ziel? Wie wird das Ankommen dort beschrieben? Wer sich damit beschäftigt, findet heraus, warum das Christentum streng genommen keine Religion ist.

Ob alle an den selben Gott glauben, setzt voraus, dass es einen Gott gibt.
Offensichtlich haben aber alle unterschiedliche Gottesbilder. Deren Anzahl und Diversität nimmt immer mehr zu - von Abspaltungen liest man viel, von friedlichen Vereinigungen habe ich noch nicht gehört. Allein dies ist eine sehr gewichtiges Argument gegen die Existenz Gottes.
Ein bekannter Drachentaxonom wurde gefragt, wie die allgemein unbestrittenen Nichtexistenz von Drachen sich mit seiner Tätigkeit vertrage. Seine Antwort:
Da es keine Drachen gibt, gibt es auch so vie Arten von nicht existierenden Drachen.

Ein immer wiederkehrendes Thema, und eine große Frage, auf die es nur eine Antwort geben kann, die allerdings mit der Toleranzfrage eng verquickt ist. Insofern wird es hier kaum an Stoff fehlen.

Zitat aus dem Artikel: "Drei Namen oder drei Götter?" Eines muss man dem Glauben lassen. Er wirft erlesene Fragen auf, die der schnöde Atheismus nicht zuwege bringt. Also lassen wir die Götter antreten und durchzählen. Wer wird zum Zählappell eingeladen? Die funkeläugige Pallas Athene? Die für den Abort zuständige Shintogottheit, der zu Ehren zu Neujahr mancherorts eine Lampe angezündet wird? Nein, nein, im vorliegenden Artikel geht es um Allzweckgötter der höchsten Bonitätsstufe AAA. Das ist zwar etwas ungerecht, aber bitte. Da bleiben die drei bekannten Gestalten Jahwe, Allah und Christengott übrig. _______________________ Sind das jetzt drei Götter oder ist das ein Gott, der in dreierlei Gestalt auftritt? Eine durchaus hochvertrackte Angelegenheit. Schon beim Christengott gilt wegen Vater, Sohn und Heiliger Geist, dass 1 = 3 ist. Im bürgerlichen Alltag ruft diese Gleichung nicht ohne Grund Stirnrunzeln hervor. Bei Gott ist aber alles möglich. Warum also nicht auch eine Trinitätslehre auf höherer Stufe? Ein Universalgott in den drei Gestalten der monotheistischen Götter? Wie soll man das jetzt klären? __________________________ Das vielbewährte Hilfsmittel hierfür ist auch jetzt die gedankliche Trennung von Gott und Gottesvorstellung. Gott übersteigt bekanntlich unser aller Vorstellungsvermögen und entzieht sich der begrifflichen Bestimmung. Den logischen Hammer, der in dieser Behauptung steckt, die nämlich Gott begrifflich bestimmt als den begrifflich Unbestimmbaren, müssen wir geflissentlich übersehen, sonst bricht das ganze System bereits hier zusammen. Ich kann mir also die Vorstellung machen, dass es drei Götter gibt, obwohl es nur ein Gott ist. Ebenso kann ich mir die Vorstellung machen, dass es nur einen Gott gibt, obwohl es drei Götter sind. Hauptsache, es wird fleißig gebetet. So ist das eben mit der Transzendenz. _______________________ Manchmal muss man nur in den Texten geistlicher Lieder Substantive austauschen und man gelangt zu zutreffenden Aussagen: "Weisst du wieviel Götter stehen an dem blauen Himmelszelt? .... Der Mensch allein hat sie gezählet, daß ihm auch nicht einer fehlet, an der ganzen großen Zahl." _________________________ Zusammenfassung: Die Frage, wieviel Götter es gibt, kennt auch die Antwort Null. Die Argumente für diese Antwort leuchten dem Gläubigen nicht ein. Ob er stattdessen zur Antwort einer, drei oder viele greift, ist vollkommen seiner Glaubensschöpferkraft überlassen.

Sehr vereehrter Herr Kopp,
danke für Ihren Beitrag und die Wiedergabe der Glaubensgrundlage der Evangelischen Kirche.
Gibt es einen Grund, warum hier im Netz die ersten und vor meinem der überwiegende Anteil der Kommentare von Mitbürgern geschrieben wurden, die bekundeterweise keine eigentliche Beziehung zur Evangelischen Kirche haben, sondern sich zum Bhai-Glauben, zur Humanistischen Religionswissenschaftlichkeit oder zum Postmodernismus bekennen?
Was mich brennend interessieren würde, wäre das Glaubenskonzept, welches derjenige am Ende hat, der durch die Lektüre Ihres und der weiteren Beiträge aus der Rubrik 'Religion für Einsteiger' am Ende erhält: Was oder an was glaubt dieser dann? Gibt es irgendeinen Zusammenhang - in Ihrem Beitrag nicht erkennbar - zu dem was Luther einmal die "Bibel" genannt hat?
Das unbenannte Thema Ihres Beitrags ist Toleranz. Tolerant kann nur der sein der eine Position hat, um einer anderen Position gegenüber achtsam, eben tolernt zu sein. ihr Beitrag läßt den "Einsteiger" komplett allein, wer kein Humanist wie Sie ist (oder sind Sie Bahai-Anhänger?), also eine Position des aufgeklärten Postmodernisten einnimmt, muß irritiert und desorientiert zurückbleiben.
Können Sie ggf. In einer zukünfitgen Kolumne auf die Bedeutung der biblischen Aussage von Jesus Christus Stellung nehmen wenn Jesus sagt er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben? Was sagt die Evangelische Kirche zu dieser Revoluzzer-These von Jesus?

Meinen Dank an Herrn Uwe Lehnert „Die Schöpfer von Jahwe, Allah, dreieinigem Gott“ für seinen wertvollen Beitrag (Eingetragen von Uwe Lehnert am 4. November 2012 - 22:54.)

Ich bitte doch recht herzlich darum, solche Gottesdienste nicht mit einer offiziellen Einschulung an einer staatlichen Schule zu verquicken (wie es leider oft Usus ist) Denken Sie bitte alle daran, es gibt genug Menschen, die wunderbar, ethisch-moralisch stabil durchs Leben schreiten ohne eine der vielen Götter, die sich Menschen erdacht haben. Diese möchten nicht zu Gebeten oder Besuchen von Götterhäusern genötigt werden. Danke!
Und bitte hört auf, Kinder nach dem Glauben ihrer Eltern zu separieren, schaut eher ihnen ab, was man so in Sachen ungezwungener Integration und unbekümmertem Miteinander lernen kann...bis Erwachsene sie nach Religionen trennen....

Danke für jeden Beitrag hier - mögen sie der "Einheit in der Vielfalt" hilfreich und dienlich sein.
Schon Lessing spricht davon: "er sehe in allen Religionen die Entwicklung des menschlichen Ganges" und "Gott habe seine Hand bei allem im Spiel", aber er stellt auch die Frage: "Nur bei unseren Irrtümern nicht?"
Und ca. 100 Jahre später (in Verbindung mit dem Welt-Parlament der Religionen in Chicago 1893 (!) im Rahmen der Weltausstellung) fordert Swami Vivekananda (1862-1902) : "Lasst uns deshalb Gott nicht nur in Jesus von Nazareth finden", "sondern auch in allen Großen, die nach ihm kamen, und in allen, die noch kommen werden, Unsere Anbetung ist unbegrenzt und frei. Sie alle sind Manifestationen desselben unendlichen Gottes."
Mir scheint, dass erst durch die, oder eine konkrete Gottesvorstellung das Problem entsteht, wobei doch die Religionsstifter aller monotheistischen Religionen, religionswissenschaftlich(!) keineswegs mit "Gott als Schöpfer von Himmel Erde", der unsere, als Geschöpfe wahrgenommene Vorstellungskraft bei weitem übersteigt, gleich zu setzen ist. Dann dürfen wir auch annehmen, "dass selbst religiöse Wahrheit relativ ist, weil sie einem Kommen und Gehen" unterliegt - durch alle Zeitalter, alle Kulturen, alle Religionen, im Hier und Heute und in alle Zukunft. Das glaube ich, seitdem ich den Bahá´i-Glauben kennengelernt, studiert und angenommen habe, ganz persönlich und ohne jede Form fremder Beeinflussung oder Bekehrung. Das war 1983, als ich für einige Zeit in Hawaii lebte und - auf der Suche war, bis ich am Ost/West Zentrum der Universität von Honolulu und einer guten Bibliothek nicht nur Weisheiten des Zen/Tao/Mystik (alles zu finden bei D.T. Suzuki), sondern auch eine neue religiöse Herausforderung fand - und Antworten!

Der deutsche Theologe Hubertus Mynarek, einst sogar Dekan an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien, schreibt in einem dieser Tage erschienenen Beitrag des Humanistischen Pressedienstes (http://hpd.de/node/14258) Folgendes:

»Jahwe, der hebräische Gott, Urbild, Urmodell, Basis-Gott für den Vatergott der Christen und für Allah, den Gott der Muslime, war anfangs nur ein kleiner lokaler Wettergott, ein Provinzgott auf dem Nordsinai. Denn in beiden palästinensischen Staaten, die sich um 900 v. u. Z. bildeten, dem Nordstaat Israel und dem Südstaat Juda mit Jerusalem als Hauptstadt, werden noch viele Götter verehrt, nicht bloß die in der Bibel häufig genannten Baal, Moloch und Göttervater El. Jahwe gilt damals auch noch als biologisch zeugender Gott (König Jerobeam, wahrscheinlich zwischen 926 und 907 v. u. Z. herrschend, lässt das Götzenbild eines heiligen Stiers als Sinnbild Jahwes verehren). Jahwe muss also auch eine Frau haben. Es ist die Fruchtbarkeitsgöttin Aschera, deren Kultbaum sogar bis 586 v. u. Z. im Jerusalemer Tempel stand. Doch später wurde diese Ehefrau Jahwes von den jüdischen Theologen gestrichen, um das Gottesbild reiner, makelloser, ethischer und unangreifbarer zu machen. Man sieht: Nicht ein Gott ist der eigentlich Bestimmende, sondern die Theologen bzw. Priester verändern ihren Gott und dessen vermeintlich von ihm ausgehenden Weisungen und Gebote.«

Sind diese Worte eines fachkundigen Bibelexperten nicht des Nachdenkens wert? (www.uwelehnert.de)

Glauben alle an denselben Gott?

Meine Antwort ist ein klares Nein. Aber auch Christen glauben nicht alle an denselben Gott. Auch nicht alle Christen einer Konfession. Vielleicht findet man noch nicht einmal zwei individuelle Christen, die an denselben Gott glauben.

Das Ganze wird einigermaßen zusammengehalten durch die großen Glaubensbekenntnisse, aber die individuellen Unterschiede scheinen mir gewaltig zu sein, wenn ich sehe, was verschiedene Christen so reden und schreiben.

Vielleicht sollten wir von daher in der Wahrnehmung der Gottesvorstellungen von Juden und Muslimen nicht eine auf das Trennende konzentrierte Sichtweise an den Tag legen, sondern die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund stellen.