Mag Gott Musik?
„Die Leute sagen, wir Afrikaner seien laut“, sagt Prediger Beelo, während er seine Bassgitarre an den Verstärker anschließt. „Aber Gott Gott ist nach einer gängigen Vorstellung „das höhere Wesen, das wir verehren“. In Heinrich Bölls Erzählung „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“ lässt jedenfalls ein Kulturpapst „Gott“ aus seinen Radiovorträgen herausschneiden und durch diese Wendung ersetzen. Gott gilt als Grund alles Seins, hat aber – anders als eine unpersönliche Schicksalsmacht – zugleich auch eine personale Seite, an die sich der Mensch im Gebet wenden kann. Gott kann nicht bewiesen, sondern nur geglaubt werden. Für den Gläubigen ist Gott keine Annahme, sondern Wirklichkeit und transzendentes, also jenseitiges Gegenüber. Die monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam gehen davon aus, dass sich alles, was ist, auf Gott zurückführen lässt. So bleibt in diesen Religionen die Frage offen, wie derselbe Gott, der das Gute will, auch das Leid und das Böse zulassen kann. ist es, der das von uns verlangt. Sehen Sie? Der 150. Psalm!“ Er legt sein Instrument weg, blättert in einer abgegriffenen, französischen Bibel Die Bibel (griechisch „biblia“ = Bücher) ist die Heilige Schrift der Christen. Die Bibel ist in das Alte und in das Neue Testament aufgeteilt. Das Alte Testament ist ursprünglich in Hebräisch geschrieben. Es beginnt mit der Schöpfungsgeschichte und enthält neben den Urgeschichten der Menschheit Prophetenbücher, Weisheitstexte und die Geschichte des Volkes Israel. Viele Schlüsseltexte der westlichen Kultur finden sich im Alten Testament, wie zum Beispiel die Zehn Gebote. Das Neue Testament ist ursprünglich in Griechisch geschrieben. Es enthält unter anderem die vier Evangelien, die vom Leben, von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi erzählen, und eine Anzahl theologischer Briefe, von denen die des Apostels Paulus am wichtigsten sind. Bis ins 15. Jahrhundert wurde die Bibel fast nur in ihrer lateinischen Übersetzung (Vulgata) gelesen. Martin Luther übersetzte die Bibel von 1520 bis 1536 ins Deutsche. Alle christlichen Kirchen berufen sich in ihrer Lehre und in ihrer Praxis auf die Bibel, auf das Alte und das Neue Testament, als wichtigste Quelle. und drückt seinen Zeigefinger auf eine Seite: „Da steht: ,Lobt ihn mit Posaunen‘ – na ja, die kann bei uns keiner spielen. Und: ,Mit Psalter und Harfen‘, das sind bei uns die Gitarren, ,mit Pauken‘“, er zeigt auf ein Schlagzeug. „Und ,mit Tanz‘, damit tun sich unsere europäischen Freunde schwer.“
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Jeden Sonntagnachmittag feiern Pastor Beelo und seine afrikanische Gemeinde in einer Münchener evangelischen Kirche. Von außen klingt der Gottesdienst wie ein Rockkonzert. Gut, dass eine Straße die Kirche vom nächsten Häuserblock trennt. Pastor Beelo hat wegen Ruhestörung schon zweimal die Kirche wechseln müssen.
Gottes allerbeste Gabe
Mag Gott Gott ist nach einer gängigen Vorstellung „das höhere Wesen, das wir verehren“. In Heinrich Bölls Erzählung „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“ lässt jedenfalls ein Kulturpapst „Gott“ aus seinen Radiovorträgen herausschneiden und durch diese Wendung ersetzen. Gott gilt als Grund alles Seins, hat aber – anders als eine unpersönliche Schicksalsmacht – zugleich auch eine personale Seite, an die sich der Mensch im Gebet wenden kann. Gott kann nicht bewiesen, sondern nur geglaubt werden. Für den Gläubigen ist Gott keine Annahme, sondern Wirklichkeit und transzendentes, also jenseitiges Gegenüber. Die monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam gehen davon aus, dass sich alles, was ist, auf Gott zurückführen lässt. So bleibt in diesen Religionen die Frage offen, wie derselbe Gott, der das Gute will, auch das Leid und das Böse zulassen kann. Musik? Die Frage wird man vor einem Jahrhundert vielleicht unbefangener beantwortet haben als heute, im Zeitalter von Tonkonserven und Hi-Fi-Technik. Musik war nur zu hören, wenn jemand sang oder ein Akkordeon dabeihatte oder wenn sich Chor und Orchester zusammenfanden. Der Klang erhob sich über die Alltagsgeräusche.
Je aufwendiger die Inszenierung, desto mehr erschien die Musik wie ein Geschenk des Himmels. Konzert- und Opernbesucher erlebten etwas Einzigartiges: Das Licht ging aus, und der Orchesterklang nahm die Zuhörer mit etwas gefangen, das so nie wieder erklingen würde. „Musik, du bist die tiefste Labe, die aus der Menschenseele quoll. / Bist Gottes allerbeste Gabe, da seine Güte überschwoll“, dichtete der Hamburger Lyriker Hermann Claudius (1878–1980) voller Emphase.
Suggestive Kraft der Musik
„Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (so heißt ein Aufsatz des Philosophen Walter Benjamin) hat etwas von seiner ursprünglichen Aura verloren. Musik ist jederzeit verfügbar. Sie muss mit täglichen Verrichtungen konkurrieren – beim Einkauf, beim Essen, bei Gesprächen, beim Gang durch den Wald oder bei Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln – manchmal zum Ärger derer, die das Gedudel aus den Ohrstöpseln Mitreisender ungefragt ertragen müssen.
Walter Benjamin schrieb seinen kulturkritischen Aufsatz unter dem Eindruck des Faschismus, wo Musik Propagandazwecken diente. Man unterlegte Kriegsbilder mit heroischen Melodien. Mächtige Lautsprecherklänge suggerierten Größe bei Aufmärschen. Bis heute setzt Produktwerbung auf die suggestive Kraft der Musik – die sich damit eher von ihrer dämonischen als von ihrer gottgefälligen Seite zeigt.
Kraftvolle Soulstimme
Benjamin ahnte die emanzipatorische Kraft, die reproduzierbare Kunst auch entfalten kann. Die sollte sich etwa beim Woodstockfestival im August 1969 zeigen. Es steht bis heute symbolisch für die Rebellion der Hippies gegen das sinnlose Morden im Vietnamkrieg. Waren Opernklänge im 19. Jahrhundert nur den Ohren der reichen Oberschicht zugänglich, so kann sich heute jedermann einen Eindruck verschaffen – auch ausschnittweise im Internet auf Youtube.
Ihren Zauber verlor die Musik trotzdem nicht. Auch heute lassen sich die einen vom Schlusschor der Bach’schen Matthäuspassion überwältigen, andere von Amy Winehouse’ kraftvoller Soulstimme.
"Reformation und Musik"
Ist Musik göttlich? Unter dem Göttlichen verstand der evangelische Theologe Paul Tillich (1886–1965) etwas, das Menschen in ihrem Selbstverständnis infrage stellt und herausfordert. Solche göttliche OffenbarungAls „Offenbarung" verstehen wir es im umgangssprachlichen Sinne, wenn uns unerwartete Einsichten und Erkenntnisse eröffnet werden. Im christlichen Verständnis ist dieser Begriff jedoch viel weiter gefasst: Hier geht es nicht unbedingt um den Einblick in zuvor unbekannte Informationen, sondern um eine Begegnung oder Konfrontation mit Gott. Offenbarung ist also kein mediales, kein intellektuelles Ereignis, sondern eher einer Berührung oder einer Begegnung vergleichbar. könne sehr wohl durch die Kunst „durchbrechen“. Mit seiner Auffassung stand Tillich in der langen Tradition der Wertschätzung von Kunst – und besonders von Musik in der protestantischen Verkündigung. 2012 erinnert die Evangelische Kirche in Deutschland an diese Tradition mit einem Themenjahr „Reformation und Musik“. Und Ende Januar erscheint ein Sammelband mit Aufsätzen zum Thema: „Davon ich singen und sagen will. Die Evangelischen und ihre Lieder“ (EVA, 232 Seiten, 19,80 Euro).
Mag Gott Gott ist nach einer gängigen Vorstellung „das höhere Wesen, das wir verehren“. In Heinrich Bölls Erzählung „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“ lässt jedenfalls ein Kulturpapst „Gott“ aus seinen Radiovorträgen herausschneiden und durch diese Wendung ersetzen. Gott gilt als Grund alles Seins, hat aber – anders als eine unpersönliche Schicksalsmacht – zugleich auch eine personale Seite, an die sich der Mensch im Gebet wenden kann. Gott kann nicht bewiesen, sondern nur geglaubt werden. Für den Gläubigen ist Gott keine Annahme, sondern Wirklichkeit und transzendentes, also jenseitiges Gegenüber. Die monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam gehen davon aus, dass sich alles, was ist, auf Gott zurückführen lässt. So bleibt in diesen Religionen die Frage offen, wie derselbe Gott, der das Gute will, auch das Leid und das Böse zulassen kann. Musik? Ja, wenn sie denn eine OffenbarungAls „Offenbarung" verstehen wir es im umgangssprachlichen Sinne, wenn uns unerwartete Einsichten und Erkenntnisse eröffnet werden. Im christlichen Verständnis ist dieser Begriff jedoch viel weiter gefasst: Hier geht es nicht unbedingt um den Einblick in zuvor unbekannte Informationen, sondern um eine Begegnung oder Konfrontation mit Gott. Offenbarung ist also kein mediales, kein intellektuelles Ereignis, sondern eher einer Berührung oder einer Begegnung vergleichbar. ist. Doch selbst das schützt sie nicht vor Missbrauch.

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Ob Gott Musik mag? wer will
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