Vom Millionär zum Glückspilz

Alles muss raus! Ein Millionär und erfolgeicher Segelflieger will arm und glücklich werden. Und nützlich: Mit dem Geld will er per Mikrokredit arme Menschen in Ländern der Dritten Welt unterstützen. Und von was wird er selbst künftig leben? Ein Gespräch über unnötige Sorgen und unnütze Ziele und darüber, was wirklich glücklich macht

chrismon: Sind Sie reich?

Karl Rabeder: Ich war mal reich und werde jetzt, wo ich immer weniger reich bin, glücklich und vermögend. Vermögend ist jemand, der mit seinem Besitz was Positives zu bewirken vermag.

Mit drei Millionen Euro ist man reich, weil man dann ganz gut von der Rendite leben kann, hat der Vermögensforscher Thomas Druyen mal gesagt. Mit 30 Millionen sei man sehr reich und mit 300 superreich.

Dann war ich knapp über reich.

Wie kamen Sie zu diesem Geld?

Es kam zu mir! Ich hab Dinge produziert, die anderen Menschen gefallen haben - Wohnaccessoires.

Die meisten reichen Unternehmer hatten vermögende Eltern da wird das kleine Vermögen schnell zum großen ...

Dann gehöre ich zur Minderheit. Meine Großeltern hatten ein Haus mit zwei Stockwerken auf 35 Quadratmetern Grundfläche und eine Nebenerwerbsgärtnerei. Ich bin schon als Sechsjähriger auf den Markt gefahren mit den Großeltern, um Gemüse zu verkaufen. Später hab ich die Gärtnerei weitergeführt, um mir mein Studium zu finanzieren. Daraus ist alles entstanden: Aus Gemüse wurden Blumen, aus Blumen Trockenblumen, für Trockenblumen braucht man Vasen, und weil es an Weihnachten vielleicht nicht ganz so spannend ist, schon wieder Trockenblumen und Vasen zu verschenken, kam ich auf Kerzen.

Ein Vermögen mit Kerzen?

Ich hab halt ein paar Zeitgeistströmungen gut erfasst. Der Renner waren Kugelkerzen mit Motiven aus der Flower-Power-Zeit, dann mit Ethnomotiven. Da gibt es eine riesige Sammlerbewegung. Produziert wurde erst in Polen und Ungarn, später in China.

Sie waren früh Millionär, hätten jung in Rente gehen können ...

Ja, mit 32, das war 1994, da hatte ich meine Kontostände mal zusammengerechnet.

Aber Sie haben noch mal zehn Jahre weitergearbeitet. Warum?

Ich hab schon damals das, was ich die Stimme meines Herzens nenne, gehört, und gar nicht undeutlich. Aber mir hat der Mut gefehlt.

Was sagt eine "Stimme des Herzens"?

Bei mir spricht sie nicht, bei mir ist es ein magisches Angezogensein, das mir fast Tränen in die Augen treibt. Und es zog mich magisch dahin, aufzuhören mit dem, was ich bisher gemacht hab.

Sie haben nicht aufgehört. Wollten Sie sich noch ein paar Wünsche erfüllen, eine Jacht oder so was?

Hätte ich mir damals schon leisten können. Nein, ich glaube, es war eher die Frage: Was ist möglich?

Bis zu welchen Möglichkeiten sind Sie vorgedrungen?

Na bis zu denen hier: ein Haus in Tirol, eins in Südfrankreich, fünf Segelflugzeuge ... Sie lachen. Es ist natürlich auch möglich, zwanzig Häuser und fünfzig Flugzeuge zu besitzen. Ich hab Dinge angestrebt, nur weil sie möglich sind. Erst heute frage ich mich: Was von dem, was möglich ist, will ich? Denn wenn die Natur - oder der Schöpfer - großzügig war, dann hat man ausreichend viele Talente und Möglichkeiten und nicht genug Lebenszeit dafür. Das wird mir jetzt erst klar.

Für viele Möglichkeiten braucht man schon ein bisschen Geld.

Ich merke, dass ich mehr Möglichkeiten habe, je weniger Geld ich besitze. Weil im Kopf endlich wieder was zu laufen anfängt: Wozu bin ich auf diesem Planeten? Was will ich wirklich? Zum Beispiel die Arbeit aussetzen und ein halbes Jahr den Jakobsweg gehen, das kann jeder, da braucht er exakt null Euro dafür.

Na!

Von drei Euro am Tag kann man Lebensmittel einkaufen. Das Paar Schuhe und das Zelt hat man sich hoffentlich vorher gekauft. Es gibt so viele Reisemöglichkeiten!

Sie haben vermutlich teure Reisen gemacht?

Ja, und mein teuerster Urlaub war zugleich mein schrecklichster, Hawaii 1998. Da meinten meine Frau, inzwischen Exfrau, und ich, wir gönnen uns jetzt mal das ultimative Maximum: drei Wochen Hawaii, mit Inselspringen, vielen Hubschrauberflügen und nur Fünfsternehotels. Alles vom Teuersten, nicht vom Feinsten. Dschungeltour auf betonierten Wegen! Und wir hatten unsere Wanderschuhe mitgenommen ... So ein Scheiß!

Sie hatten gedacht, es wird Sie glücklich machen?

So wie man es aus dem amerikanischen Film kennt, von den Reichen und Schönen, die alle glücklich sind. Aber dass wir nur auf lauter Schauspieler stoßen, bei den Hotelmitarbeitern wie den Gästen, das haben wir nicht erwartet. Mit zuckersüßer Lächelmaske spielten die alle die Rolle: "Die Welt ist wunderbar! " Am Wochenende danach sind wir hier in den Tiroler Bergen auf eine Hütte, die Wirtin hat die Apfelsaftschorle auf den Tisch gestellt und dabei verschüttet, da hat sie gesagt: "Jessas! " Wir hatten das Gefühl: Willkommen in der echten Welt. Das war einer der magischen Momente.

Wie verändert sich die Genussfähigkeit, wenn man sich alles leisten kann?

Ich hab vieles kennengelernt, was ich sonst nicht kennengelernt hätte, beim Essen zum Beispiel Wachteleier. So ein Wachtelei ist viel kleiner als ein Hühnerei und schmeckt in Summe - nach wenig Ei. Ich empfind was für guten Wein, aber ich bin drauf gekommen, dass zwischen 20 und 100 Euro oft sehr wenig Unterschied ist. Und dass 20 Euro im richtigen Kreis von Menschen getrunken mindestens dreimal so schön ist wie einer der ganz teuren Weine in so einem Wie-bin-ich-nicht-wichtig! -Lokal, wo ein Essen zu zweit 900 Euro kostet.

Wenn Sie so einfach aufgewachsen sind, muss es doch schön gewesen sein, nicht rechnen zu müssen!

Ja, wobei zwischen dem Rechnenmüssen und dem Wichtigtun viel Platz ist. Für mich heißt nicht rechnen müssen: Ich geh zu einem guten Italiener, der ein Gericht macht wie die Mama im Piemont und zur Sicherheit ein bisschen mehr Trüffel reinhaut, dann kostet das Ganze 14,90. Zu solchen echten Köchen, es darf auch österreichische Küche sein, geh ich gern.

Dafür hätten Sie gar nicht so viel verdienen müssen!

Dafür hätte ich gar nicht so viel verdienen müssen. Aber, ja, es war eine Bereicherung, dass ich mir Segelflugexpeditionen hab leisten können an superexotische Plätze mit meinem eigenen Expeditionsflieger, der extra dafür gebaut wurde, dass ich in großer Höhe nicht so frieren musste wie alle anderen. Mit doppelwandiger Schale und kleinem Solarkraftwerk an Bord. Aber - es geht auch anders.

Stimmt es, dass die Spürbarkeit von Reichtum abnimmt, je mehr man hat?

Ja. Für mich war immer der wichtigste Wert die Freiheit. Und am Anfang gehört Geld dazu, zur Freiheit. Aber das, was man wirklich braucht, ist schnell erreicht, danach hilft Geld nicht mehr viel. Freiheit ist das genaue Gegenteil von Besitz.

Ich hab nur gemerkt, dass da innen sich irgendetwas verkrampft, laufend.

Weil man mehr Aufwand treiben muss, wenn man viel besitzt?

Zwei Häuser, fünf Flugzeuge, zwei Autos - das ist eindeutig mehr Arbeit als ein Mountainbike.

Man kann das Kümmern doch delegieren, wenn man Geld hat.

Na ja. Wenn man nach Frankreich ins eigene Haus in Urlaub fährt und die ersten drei Tage nichts anderes tut als Handwerker organisieren, damit die richten, was kaputt gegangen ist oder was man verschönern möchte, anschließend fünf Tage Urlaub macht und am Ende zwei Tage lang alles einpackt und einwintert - das ist doch schwachsinnig.

Wenn man Sie damals gefragt hat, wie es Ihnen geht ...

...hab ich gesagt: "Gut! " Weil ich mir was anderes nicht hab vorstellen können. Ich hab nur gemerkt, dass da innen sich irgendetwas verkrampft, laufend. So ein Gefühl: Das kann doch nicht alles im Leben sein. So ein großes Fragezeichen.

Wann fing das an?

Immer schon! Schon in meiner Kindheit, wo ich infrage gestellt hab, ob es das wirklich ist, was meine Großeltern und meine Mutter mir vorgelebt haben: Du musst arbeiten, damit's d'zu was kommst! Ab 28 hab ich das immer mehr gespürt.

Warum haben Sie dann weitergemacht?

Weil ich gedacht hab: Wenn dich das nicht glücklich macht, musst du einfach noch mehr Materielles, mehr sportliche Erfolge besorgen. Und wenn du jetzt noch eine Million auf der Seite hast, dann kannst dir bis ins hohe Alter noch mehr leisten. Ich dachte damals nur: Was ist machbar? Und als irgendwann mal absehbar war, na ja, so ein eigener Jet kostet ja gar nicht so viel ...

Wie - "nicht so viel"?

Na ja, mit ein paar Millionen Euro hat man so einen Jet. Ich hab überlegt, wenn ich mehr arbeite, mehr Aufträge annehme, wenn ich den Jet einen Teil der Zeit verchartere, dann ist das möglich. Ich hab mich nicht gefragt: Will ich das, diesen Vermögenszuwachs, und bin ich bereit, was immer dafür zu geben? Umsonst kommt der ja nicht.

Als Sie 42 Jahre alt waren, haben Sie Ihre Firma plötzlich verkauft, an Ihren Hauptkonkurrenten, 2004 war das ...

Ja, das war mein Glück, dass sich diese Möglichkeit da auftat. Der hatte schon die ganze Zeit gedrängelt.

Was versprachen Sie sich davon - mehr Zeit?

Zeit hatte ich schon vorher, dadurch, dass ich im Winter - wegen der Kerzen - sehr viel gearbeitet hab. Im Sommer bin ich geflogen.

Mehr Freizeit bedeutet nicht mehr Lebensqualität

Was erhofften Sie sich dann vom Firmenverkauf?

Endlich das zu tun, was ich schon immer tun wollte - noch mehr Segelfliegen. Noch mehr Wettbewerbe, Flugrekorde und Expeditionen in Chile, Argentinien, Neuseeland ...

Noch mehr vom selben ...

Genau. Ich hab ewig gebraucht zu checken, dass mehr von derselben Freizeit nicht mehr Qualität bedeutet.

Sie haben die Wettbewerbsfliegerei doch mal genossen, oder?

Es war mal Genuss, ja. Wobei ich immer mehr gemerkt hab, dass ich da auch dem Erfolg nachlaufe, im Winter dem beruflichen Erfolg, im Sommer dem sportlichen.

Zum Beispiel haben Sie in Neuseeland zwei Streckenflugrekorde gebrochen.

Aber über die Jahre hat mich das Gewinnen immer weniger berührt. Ich stand oben auf dem Podest und fragte mich: Wozu war das jetzt gut? Und ich kann mich an viele Tage erinnern während der zweiwöchigen Wettbewerbe, wo ich lieber nicht ins Flugzeug gestiegen wäre. Ich hätte gern mal ausgeschlafen, ein Eis gegessen, wäre geschwommen. Da hätten meine Fliegerfreunde gesagt: "Du bist in Führung, du kannst doch nicht einen Tag aussetzen! " Aber wer sagt das? Wer sagt das?

Was ist passiert, dass Sie heute nicht mehr an Meisterschaften teilnehmen?

Ich habe immer wieder glückliche Geschenke gebraucht, um meinen Weg zu gehen. Eines kam 2006, bei der Weltmeisterschaft in Südfrankreich: Ich war einer der Favoriten, hab nach drei Tagen geführt - und dann bin ich plötzlich immer weiter zurückgefallen und schließlich Dreizehnter geworden. Ich hab gedacht: Was will mir das Leben damit sagen? Und bin drauf gekommen, dass auch das Gewinnen für mich nichts anderes ist, als einen Haken zu machen: bist Weltmeister geworden, hast einen Weltrekord geflogen. Ab da hab ich mir erlaubt, fliegen zu gehen in Naturverbundenheit und weil es so schön ist, und nicht, weil es heißt, flieg so schnell wie möglich nach Regensburg und wieder heim.

Damit hatten Sie aber noch nicht Ihr Leben geändert ...

Doch, weil Fliegen für mich immer ein Synonym war für den Rest des Lebens: Man trifft laufend Entscheidungen über Folgen, die man jetzt noch gar nicht bedenken kann, weil man nicht so weit sehen kann. Flieg ich rechts oder links? Beide Wolken sehen gut aus, aber ich muss mich entscheiden. Da geht es um theoretisches Wissen, um das Spüren der Luft und um Intuition. Ob Spitzensportler, Manager oder wer auch immer, kaum einer trifft seine Entscheidung nur kognitiv. Man muss es spüren. Und das ist das, was ich jetzt gerade erlebe: Ich tu das, was sich gut anspürt.

Und was spürt sich gut für Sie an, heute?

Von Nutzen zu sein, für andere. Als ich - nach dem Verkauf der Firma - ein Jahr so intensiv flog wie nie zuvor, verweilte ich glücklicherweise auch länger an Orten, blieb den Winter über in Argentinien, und da hab ich das erste Mal nicht über die Armut hinwegsehen können. Früher hab ich die auch wahrgenommen, aber gedacht: Das ist deren Armut. Jetzt konnte ich nicht mehr ignorieren, dass das auch was mit mir zu tun hat. Und weil ich dort so oft beschenkt worden bin - seien es materielle Geschenke oder tolle Freundschaften -, beschloss ich, was zurückzugeben. Aber was kann ich? Ich kann ja eigentlich nichts. Also musste ich was lernen. Deswegen beschäftige ich mich jetzt mit Agrarprojekten und mit Mikrokrediten.

Als Reicher mit Mikrokrediten?

Ich hatte schon länger Waisenhäuser in Lateinamerika unterstützt. Aber von was sollen die Waisenhausabgänger leben? Ich träumte von etwas, mit dem sich jemand eine große Freiheit verschaffen kann, indem er seine Nahrung selber produziert auf ganz simple Art und Weise. So kam ich - zusammen mit einem Agrarlehrer - auf die Idee, dass die jungen Leute Geld bekommen für Folientunnel, einfache Gewächshäuser, und dazu eine professionelle Betreuung in der Lernphase. Das waren die ersten Mikrokredite, die ich vergeben hab: Folientunnel mit 400 Quadratmetern für 600 Euro.

Ein großer Schritt: vom reinen Freizeiter zum sozial Engagierten ...

Aber es hat schon immer in mir geschlummert, ich hab es jetzt einfach wiedererkannt! Ich hab schon immer gern was für andere getan, nur hab ich nie den wirklichen Ausdruck dafür gefunden. Ich trainiere ja seit Jahren die österreichischen Segelflugjunioren, lehre also zehn Menschen im Jahr, wie sie ihre Sinne aufmachen, wie sie intuitiv werden - ja gut, aber das ist ein bisschen wenig. Und jetzt, wo ich all meinen Besitz aufgebe, hab ich endlich die Freiheit, das zu tun, was meine Lebensbestimmung ist. Ich hab's ja als Kind schon begriffen, dass es mir am meisten Spaß gemacht hat, wenn andere mit meinem Lieblingsspielzeug spielten.

Glaub ich Ihnen nicht!

Doch! Ich hatte eh nicht so viel Spielzeug, einen Bagger, Flugzeuge ... Und ich hab mich gefreut, wenn auch jemand anderer entdeckt hat, dass das was ganz besonders Spannendes ist. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich so egoistisch erzogen worden bin. Meine Großmutter zum Beispiel hat nie eine Ruhe geben können, immer hieß es: Da können wir noch was sparen, da noch was verdienen. Wahrscheinlich hat sie es nur gut gemeint, aber wir haben sehr wenig Zeit zusammen verbracht - ohne dass es was zu tun gab.

Eigentlich waren Sie doch schon mal auf dem richtigen Weg: Sie wollten Lehrer werden für Mathematik, Physik und Chemie.

Bin ich ja geworden. Aber im Schulpraktikum sagte mein Betreuer bei fast jeder meiner abgelieferten Vorbereitungen: "Das können Sie nicht machen, Herr Kollege. Das steht so nicht im Lehrplan." Ich sagte: "Ich hab's ein bisschen abgeändert, aber grundsätzlich steht's da so." Und er: "Grundsätzlich ist erstens zu wenig, und zweitens hat an unserer Schule noch nie jemand so etwas gemacht, das geht nicht, Herr Kollege! Schreiben's das um." Nachdem ich dann jede meiner Stunden auf langweilig umgeschrieben hab, hab ich gedacht, so will ich aber nicht Lehrer sein, da schlaf ich ja bei der Vorbereitung selber ein, und da darf ich mich nicht wundern, wenn die Schüler in der Stunde einschlafen.

Sie hätten Ihren Geschäftsgewinn doch auch spenden können!

Also sind Sie Geschäftsmann geworden. Warum behielten Sie nicht die Firma und spendeten den Gewinn? Das hätte doch mehr Geld ergeben!

Das seh ich anders. Solange das Vermögen nicht in der Größenordnung eines Bill Gates ist, ist es sowieso immer zu wenig. Und dann brauch ich Mitstreiter, viele Mitstreiter.

Wenn Sie jetzt Ihr Tiroler Haus verlost haben, wie geht es dann weiter mit Ihnen?

Das wird mir mein Herz sagen, wenn es so weit ist.

Herr Rabeder!

Ich habe Vermutungen. Ich vermute, dass ich mich wirklich von all meinem Besitz trennen will und auch keine Spur der Reserve aufheben will. Da bin ich schon sehr nahe dran.

Was ist da noch abzustoßen?

Die Limousine ist weg, das andere Auto kleingeschrumpft, die Flugzeuge sind alle verkauft, die Häuser bald weg, auch alle Geldreserven werden ein zeitliches Ende haben, und das finde ich schön. Denn jetzt passiert mit dem Geld endlich mal was Sinnvolles, weil ich damit die Organisationsgründung von My-MicroCredit unterstütze und die Software bezahle und die ganzen anderen Kosten, von denen mir vorher gar nicht klar war, dass es sie geben wird. Mein Ziel ist es, mit meinem Besitz auf doppelte Rucksackgröße zu kommen.

Wo werden Sie wohnen?

In Innsbruck, in einer Ein- oder maximal Zweizimmer-Mietwohnung, da ist dann auch mein Computer und das Büro.

Von was werden Sie leben?

Ich komm mit 1000 Euro netto aus. Die verdien ich mit ein paar Stunden Arbeit, ich coache ja Manager und Spitzensportler.

Bei den 1000 Euro ist die Miete schon drin?

Das ist wurscht! Vielleicht sind es 800 Euro, vielleicht 1200, aber mehr als 500 brauch ich neben der Miete und Nebenkosten nicht.

Und wenn Ihr Auto kaputtgeht?

Was? Ich brauch doch kein Auto in Innsbruck, da ist ein Auto doch nur eine Behinderung.

Diese Fragen ärgern Sie, oder?

Ja, weil ich immer hör: "Du hast leicht reden! Du besitzt ja das und das und das." Demnächst werd ich nichts mehr besitzen, und das erklär ich auch gern öffentlich.

Haben Sie keine Angst?

Nein, wovor? Ich hab nur immer mehr Angst verspürt, je mehr ich gehabt habe: Angst, was zu verlieren und mir dann manche Dinge nicht mehr leisten zu können - die ich eh nicht brauchte.

Haben Sie eine Ahnung, ob Ihnen was schwerfallen könnte?

Ich habe den Verdacht, es könnte mir schwerfallen zu akzeptieren, dass ich so lange gebraucht habe zu erkennen, dass man nicht reich sein muss, um vermögend zu sein. Das finde ich schon erschreckend.

Mit 47 sind Sie doch früh dran!

Je nachdem. Im Vergleich zum Durchschnittseuropäer bin ich früh dran. Im Vergleich zu dem, was mir die Stimme meines Herzens gesagt hat, bin ich sehr spät dran. Ich hab mich immerhin 25 Jahre lang von dieser Werbemaschinerie an der Nase herumführen lassen, das empfinde ich nicht als "früh dran", das empfinde ich als "bedingt beschränkt".

Sie müssen es sich also verzeihen können?

Ja, ich muss mit mir in den Frieden kommen: Es ist in Ordnung, dass es so lang gedauert hat. Es war mein Weg. Einen besseren konnte ich nicht gehen

Information

MyMicro Credit

Die gemeinnützige Organisation MyMicroCredit betreibt eine Internetplattform, über die man Kleinkredite an wirtschaftlich aktive Menschen in armen Ländern vergeben kann. An Menschen, die von normalen Banken keinen Kredit bekommen, weil der Bearbeitungsaufwand für solche Minikredite hoch ist und die Kreditnehmer keine Sicherheiten vor weisen können. MyMicroCredit ist keine Bank, sondern stellt die Verbindung her zwischen Kreditgebern und Kreditnehmern beziehungsweise Kreditnehmerinnen, denn meist sind es Frauen.

Die Kreditnehmer werden auf der Homepage www. My-MicroCredit.org porträtiert: zum Beispiel eine Müllerin in El Salvador, die für 360 Euro eine zweite Mühle kaufen möchte, weil sie viele Tortillaverkäuferinnen als Kundschaft hat. Künftig will MyMicroCredit immer mehr innovative Unternehmungen finanzieren: etwa die Ausbildung zum Agrarlehrer in Nicaragua für 1200 Euro oder die Gründung von Kiosken für den Verleih von Solarlampen in Afrika.

Wer einen Kredit vergeben möchte, wählt sich auf der Homepage eine Person aus und verleiht per Überweisung oder Bankabbuchung einen Kredit ab 25 Euro aufwärts. Nach einem Jahr bekommt man das Geld wieder zurück, allerdings ohne Zinsen. Es besteht ein geringes Ausfallrisiko.

Vor Ort betreuen "Fieldpartner" (das sind lokale Mikrofinanzinstitutionen) die Kreditnehmer. Diese Fieldpartner werden laufend kontrolliert von unabhängigen Ratingagenturen wie www.mixmarket.org. Bei Bedarf sollen die Fieldpartner die Kleinstkreditnehmer auch schulen, zum Beispiel im Modul "BWL an einem Tag". Die Fieldpartner selbst allerdings nehmen Zinsen von den Kreditnehmern - darin sind zum Beispiel die oft hohe Inflationsrate eingerechnet sowie die Kosten für die Prüfung der Geschäftsidee und die Betreuung des Kreditnehmers.

Lesermeinungen

Ich dachte auch eine Weile, dass Herr Rabeder das tut was er predigt. Leider ist es nicht so. Er hat mit dem Erlös seiner Hausverlosung vor allem seine Schulden getilgt und verweigert jegliche Transparenz über die Vorgänge um seine Hausverlosung. Er ist leider nur ein Hochstapler, der Geld braucht(e) und dafür Leute aufs Glatteis führt, leider auch Chrismon.

Ich habe beide Bücher intensiv gelesen ! Ich habe seinen Werdegang verfolgt.
Der Mann weiß, wovon er spricht. Garantiert geht es Millionen von Menschen ebenso ....
Nur : Es haben nur ganz wenige den Mut wie er, zu HANDELN und Konsequenzen zu ziehen.
Ich werde es jetzt auch TUN, ehe ich in dieser egozentischen Ellenbogengesellschaft endgültig vor die Hunde gehe .... man muß kein Millionär sein, um zu sehen, was hier schief läuft ...
Wer wieder RICHTIG glücklich werden will , der sollte beide Bücher lesen und danach handeln !

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