Was ist in der Hölle los?
Die Waldbrände auf den kanarischen Inseln und auf dem spanischen Festland in diesem Sommer kamen den Journalisten und den Bewohnern wie ein Inferno vor: "Urlaubsparadies mutiert zur Flammenhölle", lautete eine Schlagzeile. Hilflos angesichts der Feuerwalze und ihres Besitzes beraubt, brachen Menschen vor den TV-Kameras in Tränen aus. Tausende Betroffene mussten fliehen, Pinien- und Eukalyptuswälder wurden großflächig vernichtet. Die HölleEs gibt in der Bibel keine einheitliche Vorstellung von der Hölle. Das Alte Testament spricht vom „Totenreich“ und schildert es als einen Ort unter der Erde (Jesaja 14,9). Im Neuen Testament ist Christus derjenige, der die Schlüssel für dieses Totenreich besitzt und durch seine Auferstehung die Macht des Todes bricht. Festgehalten ist dieser Glaube im Bekenntnis der Kirche: „hinabgestiegen in das Reich des Todes“. Im Laufe der Kirchengeschichte, besonders im Mittelalter, ist die Hölle immer wieder als furchtbarer Ort ausgemalt worden. Dies hat seinen Ursprung in der Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus (Lukas 16,19-31). Dort wird erzählt, dass der Reiche in der Hölle war und die Augen erhob „in seiner Qual“. Heute spielt die Hölle in der christlichen Predigt kaum noch eine Rolle. Dennoch hat sich bei vielen Menschen die Vorstellung erhalten, dass böse Taten in diesem Leben nicht ganz unbedeutend sind für das Ergehen des Menschen nach dem Tode. als Ort radikaler Vernichtung: eine tief im Bewusstsein der Menschen verankerte Angst.
Die Hölle ist kein zentrales christliches Thema
Doch es gilt mit einer Vorstellung aufzuräumen: In den großen christlichen Kirchen von heute gibt es keine ausgefeilte Lehre über die Hölle, sie ist auch kein zentrales christliches Thema. Die bekanntesten Vorstellungen von der Hölle entstammen volkstümlichem Traditionsgut. Theologisch interessant daran ist allerdings, dass sie Gegenbilder zu den vielfach beschriebenen christlichen Vorstellungen vom Reich Gottes und vom Himmel sind.
Im Alten TestamentTestament, ein aus dem Lateinischen abgeleitetes Wort, bedeutet Vertrag, Bund, Vermächtnis. Neben seiner zivilen Bedeutung als schriftliche Abfassung des letzten Willens eines Menschen wird das Wort Testament auch für die beiden Teile der christlichen Bibel benutzt. Martin Luther übersetzte das griechische Wort „diatheke“ (Bund) mit dem schon damals im Deutschen gebräuchlichen Lehnwort Testament. Die ursprünglich auf Hebräisch verfasste Bibel Israels, die die Christen übernahmen, wird von diesen als „Altes Testament“ bezeichnet, die griechische Bibel mit christlichen Texten, die im Lauf des 1. Jahrhunderts entstand, als „Neues Testament“. Unter dem Eindruck des jüdisch-christlichen Dialogs gibt es viele Christen, die den Begriff „Altes Testament“ für den ersten Teil der Bibel ablehnen, da „alt“ Assoziationen wie überholt oder minderwertig weckt. Sie sprechen vom ersten Teil der Bibel als „Hebräischer Bibel“ oder „Erstem Testament“. gibt es keine Hölle als Ort ewiger Bestrafung, wohl aber einige konkrete Vorstellungen, aus denen sich nach und nach ein größeres Bild zusammenfügte. Das "Tal des Hinnom", südlich der Jerusalemer Altstadt gelegen, gehört zu diesen konkreten Anknüpfungspunkten: In früheren Zeiten sollen hier Kinder geopfert worden sein, der Prophet Jeremia verfluchte diesen Ort des Götzenkults. Seit dem zweiten Jahrhundert vor ChristusDiese griechische Bezeichnung ist kein weiterer Name Jesu, sondern ein Titel und Bekenntnis: Jesus ist „der Christus“, hebräisch „der Messias“, auf Deutsch „der Gesalbte“. Mit diesem Titel verband sich nach der Zeit von König David (um 1000 v. Chr.) in Israel die politische Hoffnung auf einen neuen Herrscher und ein Friedensreich unter seiner Ägide. Jesus lehnte diese politische Erwartung an seine Person ab. Im Gegenteil: Er starb sogar den Tod am Kreuz. Aber seine Botschaft enthält explizit politische Ziele: soziale Gerechtigkeit, Frieden, der Kampf gegen gesellschaftliche Ausgrenzung, Hunger und Krankheiten. Auch wenn Jesus die an ihn gerichteten Messiaserwartungen zurückwies, weckte er doch in den Menschen seiner Zeit und besonders in seinen Anhängern, den Christen, die Hoffnung „auf einen neuen Himmel und auf eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt” (Zweiter Petrusbrief 3, 13). galt das Tal als der Ort, an dem sich nach dem Endgericht eine Feuerhölle zeigt. Aus einem geografisch klar beschriebenen Ort wurde eine zeitlos-abstrakte Vorstellung.
Auch in den Gleichnisreden Jesu vom kommenden Reich Gottes gibt es Anknüpfungspunkte für Höllenvorstellungen, auch wenn sie keine dezidierte Höllentheologie enthalten. Am Ende der Welt, so heißt es zum Beispiel im Matthäusevangelium (13,47f.), werden Engel die bösen Menschen von den Gerechten trennen; die Bösen werden dann in einen Feuerofen geworfen, "dort wird Heulen und Zähneklappern sein". Und in den Passagen über das Weltgericht heißt es: Nach dem Urteilsspruch werden die Verfluchten mit dem Teufel und seinen Helfern ins "ewige Feuer" geworfen (25,41).
Wenn es um die unterschiedlichen Höllenvorstellungen geht, muss man sehr genau die jeweiligen historischen Hintergründe im Blick haben. Da wirkt auch im frühen Christentum die antike Vorstellung vom dreigeteilten Kosmos nach: Oben schließt sich an die Erde der Himmel, unten die Hölle an, das Reich der Toten, ein Straf- und Läuterungsort für die sündigen Menschen. Unterschiedlich je nach historischem Zusammenhang sind auch die Vorstellungen, wer über die Hölle die Verfügungsgewalt hat.
Jesus hat die Hölle bezwungen
Nach christlicher Überzeugung hat Jesus die Hölle dann bezwungen: Als Gottes Sohn den Tod auf sich nahm, erwies sich, dass Gott den Menschen auch in ihren tiefsten Nöten und Todesängsten nahe war und ist. Im Glaubensbekenntnis heißt es, Christus sei nach seinem Tod "hinabgestiegen in das Reich des Todes". Volkstümlich ist in diesem Zusammenhang von der "Höllenfahrt Christi" die Rede. Nirgends werden Orte oder Details des Aufenthalts näher bestimmt. Erst in späteren Jahrhunderten werden auf den Ikonen der Ostkirchen die Abläufe detaillierter ausgemalt: Von seiner Höllenfahrt kehrt Christus als Sieger zurück, an der Hand zieht er den geretteten Adam hinter sich her.
Anders als das Christentum hat der Islam eine umfangreiche Höllenlehre, die im Koran nachzulesen ist. Unglauben und Sünden führen die Menschen an den Ort der Höllenpein. Die Verdammten essen die Früchte eines Höllenbaums, die ihren Körper innerlich verzehren. Sie trinken kochend heißes Wasser. Feuer lodert, immer wieder neu angefacht mit den Leibern der Verdammten. Diese sind angekettet und werden mit Eisenstöcken gequält. Während die Ungläubigen, die Nichtmuslime, für immer in der Hölle bleiben, können die Sünder unter den Gläubigen irgendwann einmal ins Paradies gelangen.
Karl Barth, der Baseler Theologieprofessor, betonte in seinen letzten Vorlesungen Anfang der sechziger Jahre, wie wichtig es sei, gerade die gütigen Seiten Gottes in den Blick zu nehmen, seine Gnade wichtiger zu nehmen als die christliche Botschaft vom Gericht. Er riet den Christen, sich die Hölle nicht interessanter werden zu lassen als den Himmel. Das ist ein Ratschlag, der auch heute seine Bedeutung hat.


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